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Handball: Dänemark verteidigt WM-Titel – herausragender Landin

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Bei der Handball-Weltmeisterschaft 2021 in Ägypten hat Dänemark im skandinavischen Finale Schweden mit 26:24 bezwungen. Überragender Spieler aufseiten der Dänen war Torhüter Niklas Landin. Zum wertvollsten Spieler des Turniers wurde mit Mikkel Hansen ebenfalls ein Däne gewählt.

Vor zwei Jahren feierte Dänemark im WM-Finale gegen Norwegen einen 31:22-Kantersieg und gewann damit auch seinen ersten WM-Titel überhaupt. Seit Sonntagabend kann WM-Titel Nummer zwei auf dem Briefkopf vermerkt werden. Diesmal musste sich in einem Finale auf Augenhöhe Schweden geschlagen geben.

Zur Halbzeit stand es 13:13, nach 44 Minuten 20:20. Keine der beiden Teams konnte sich bedeutend absetzen. Erst in den letzten fünfzehn Minuten zog Dänemark ein wenig davon. Mit dem Treffer zum 23:20 durch Magnus Saustrup nach 49 Minuten konnte Dänemark die Schweden erstmals auf drei Tore distanzieren. Zwei Minuten vor Spielende hatte Schweden noch einmal die Chance auf ein Tor heranzukommen. Den Siebenmeter von Hampus Wanne konnte der herausragende dänische Torhüter Niklas Landin jedoch parieren. Im Gegenzug erzielte dessen Bruder Magnus Landin das 26:23, Schweden erzielte nur noch ein Tor und so triumphierte Dänemark mit 26:24. Turnierübergreifend war es zugleich ihr 19. Sieg in einem WM-Spiel in Serie, was keinem Nationalteam jemals zuvor gelungen war.

„Landin ist eine lebende Mauer“, sagte ein dänischer Radioreporter nach dem Halbfinale gegen Spanien, bei dem Dänemark mit 35:33 die Oberhand behalten hatte. Beim dramatischen Erfolg im Siebenmeterwerfen gegen Ausrichter Ägypten (39:38) im Viertelfinale hatte der 32-Jährige zwei von fünf Versuchen abgewehrt. Der jüngere Landin-Bruder Magnus (25) hatte gegen Ägypten mit einem verwandelten Siebenmeter in der Schlusssekunde der zweiten Verlängerung das 35:35 erzielt und Dänemark überhaupt erst vor dem Turnier-Aus bewahrt. Im Siebenmeterwerfen verwandelte Magnus wieder sicher.

Offensiv ragen Hansen und Holm heraus

Im Finale gegen Schweden traf Magnus Landin nur zweimal, dafür taten sich andere hervor: Selbstverständlich prägte der dreimalige Welthandballer Mikkel Hansen das Spiel seines Teams. Mit sieben Toren war er bester Werfer des Spiels, im Halbfinale hatte er sogar zwölf Mal den gegnerischen Torwart überwunden. In der entscheidenden Phase machte auch der wendige Jacob Holm auf sich aufmerksam, als er innerhalb von sechs Minuten alle seiner vier Tore erzielte. Nikolaj Nielsen verzeichnete fünf Tore. Bei den Schweden traf Hampus Wanne fünfmal, Albin Lagergren viermal.

Jim Gottfridson und Lagergren versuchten das Spiel der Tre Kronor zu ordnen und konnten sich entweder selbst oder Mitspielern immer wieder Würfe aus guten Positionen herausspielen, doch wiederholt scheiterte Schweden an Niklas Landin. Insgesamt wehrte der amtierende Welthandballer 15 Würfe ab, seine Abwehrquote betrug starke 41 Prozent. Mit erstklassigen Reflexen und gutem Stellungspiel hielt Landin seinen Laden dicht. Immer wieder kam der dänische Keeper bei sich anbahnenden schwedischen Torabschlüssen weit aus seinem Tor und brachte so seine eingeschüchtert wirkenden Gegner zur Verzweiflung. Schweden verzichtete darauf, anspruchsvolle, vielleicht in solchen Fällen aber wirksame Heber über Landin hinweg zu probieren.

Schweden konnte mithalten und war schon gar nicht die eindeutig schlechtere Mannschaft – nur hatte Dänemark den besseren Schlussmann. Schwedens Andreas Palicka, der während des Turniers glänzend gehalten hatte, zeigte diesmal eine durchschnittliche Leistung.

Titelsammler Landin

Schon jetzt hat der 2,01 Meter große Landin in seiner Karriere alle wichtigen Titel gewonnen: Meisterschaft, Pokal und Champions League gewann er mit den „Zebras“, wie der THW Kiel wegen der traditionellen schwarz-weiß-gestreiften Trikots genannt wird. Auch auf nationaler Ebene muss er sich keine neuen Titelziele mehr setzen, höchstens die Wiederholung dieser. Mit Dänemark wurde er 2012 Europameister, 2016 holte er die olympische Goldmedaille und neuerdings ist er auch Doppelweltmeister.

„Wir haben Kraftreserven gefunden, an die wir nicht mehr geglaubt haben“, erklärte Landin im Anschluss an die Partie. Bescheiden gab er die an ihn adressierten Lobeshymnen an seine Mitspieler weiter: „Dieses Turnier wird als Weltmeisterschaft der jungen Leute in Erinnerung bleiben, die reingeworfen wurden und alles im Sturm erobert haben“, sagte der Torhüter. Vor allem derr 21-jährige Linkshänder Mathias Gidsel und Kreisläufer Magnus Saugstrup (24) dürften sich angesprochen fühlen. Beide waren zu Entdeckungen des Turniers avanciert.

Dänemarks Trainer Nikolaj Jacobsen hob auf der Pressekonferenz den Siegeswillen und Kraftaufwand seiner Mannschaft hervor: „Heute war es nicht so einfach wie in anderen Spielen, so dass wir heute um den Sieg kämpfen mussten und vielleicht nicht den besten Handball gespielt haben. Aber wir haben den Weg zum Sieg gefunden und das ist auch eine große Qualität, die wir in der Mannschaft haben.“, sagte der ehemalige Übungsleiter der Rhein-Neckar Löwen.

Schweden wurde bereits viermal Handballweltmeister, zuletzt 1999 – Austragungsort damals wie heute: Ägypten. Stolz kann der Vizeweltmeister zweifellos auf sich sein, nachdem man als Außenseiter in die WM gestartet war und ohne Starspieler wie Niclas Ekberg, Andreas Nilsson oder Mikael Appelgren auskommen musste. Ins Allstar-Team der WM schafften es mit Torhüter Andreas Palicka, Rückraumspieler Jim Gottfridson und Linksaußen Hampus Wanne auch drei Schweden. Auf dänischer Seite wurde den beiden Rückraumspielern Mathias Gidsel und Mikkel Hansen diese Ehre zuteil. Wie bei der WM 2019 wurde Hansen, der 34-jährige Star von Paris Saint-Germain, auch zum wertvollsten Spieler des Turniers gekürt.

Zu Ehren der Champions strahlte sogar die Öresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden am Sonntag bis Mitternacht in den dänischen Farben. Als weiterer Gewinner durfte sich auch die deutsche Bundesliga fühlen. Bei Dänemark standen acht Bundesligaprofis im WM-Kader, bei Schweden sogar 12. Vielleicht ein kleiner Trost für den deutschen Handball, dessen Nationalmannschaft nur auf dem 12. Platz landete.

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