Sonstiger Sport

Gemeinsam auf Korbjagd: Rollstuhlbasketball und die Kraft der Inklusion

Rollstuhlbasketballspiel zwischen dem RSC Nürnberg und USC München

In dieser Reportage tauchen wir in die Welt des Rollstuhlbasketballs ein, erforschen den inklusiven Charakter dieser Sportart und enthüllen die Parallelen zum traditionellen Basketball.

Dirk Nowitzki wurde in einer schlichten Schulturnhalle in der oberfränkischen 4.500-Einwohner-Gemeinde Rattelsdorf zum Weltstar. Am Samstagvormittag, acht Tage vor Heiligabend, haben sich zwar keine Berühmtheiten in die Turnhalle im Nürnberger Stadtteil Röthenbach eingefunden. Der Ehrgeiz und die Basketballbegeisterung erinnern jedoch an den großen Blonden, der sich mit Holger Geschwindner jeden Sommer auf die NBA-Saison vorbereitete und dabei nicht nur den Ball aus den unmöglichsten Winkeln und Positionen auf den Korb warf, sondern auch Froschsprünge absolvierte und Saxophon spielte. Geschwindner, der verrückte wie geniale „Basketballprofessor“, der studierte Mathematiker und Physiker, vergleicht Basketball gerne mit Jazz. Heute möchte ich herausfinden, mit welcher Musikrichtung Rollstuhlbasketball vergleichbar ist.

Effenberg? Der Fußballer?“

Der RSC Nürnberg ist Gastgeber des Dreifachspieltags in der Landesliga, Gegner sind der USC München II und der RBB München Iguanas III. Ich komme gegen 10.30 Uhr in die Halle und treffe direkt hinter dem Eingang auf eine Gruppe von Rollstuhlbasketballern und deren Familien. Ich frage nach einem Wolfgang Effenberger, mit dem ich E-Mails ausgetauscht habe. Er ist beim RSC für das Organisatorische verantwortlich und spielt gleichzeitig für das Team. „Effenberg, meinen Sie den Fußballer?“, entgegnet einer der Anwesenden schmunzelnd.

Ich suche Herrn Effenberger, aber vor allem den Weg zur Spielfläche. Eine Rechtskurve später bin ich da; die Halle ist auf einer Seite voll verglast, lichtdurchflutet und größer als die, in der Nowitzki trainierte. Es ist gerade Halbzeit des ersten Spiels und der USC führt mit 32:16 gegen die Gastgeber.

Die Klassifizierung im Rollstuhlbasketball

Ich komme mit einem Herrn vom Kampfgericht ins Gespräch und kurz darauf mit einer Dame vom Bayrischen Basketballverband, die einen neu gemeldeten Spieler klassifizieren muss. Beide erklären mir, dass jeder Rollstuhlbasketballer anders eingestuft wird – je nach Grad der Einschränkung. Grundsätzlich sind alle mit 1,0 bis 3,0 Behinderungspunkten auch im Alltag Rollstuhlfahrer. 3,5- oder 4,0-Punkte-Spieler sind hauptsächlich Beinamputierte, die aber volle Rotation im Oberkörper besitzen. Nichtbehinderte bekommen 4,5 Punkte zugewiesen. Solche Spieler könnten auch „Fußgängerbasketball“ (also Basketball ohne Rollstühle) spielen; ein Begriff, den ich an diesem Samstag häufiger höre.

Damit ein Team nicht ausschließlich aus 4,5-Punkte-Spielern besteht, gibt es Auflagen. Die fünf Spieler auf dem Feld dürfen die Marke von 14,5 Punkten nicht überschreiten – es sei denn, Bonuspunkte zum Tragen – durch junge Spieler, Anfänger oder Frauen. So kann eine Mannschaft mit mehr Punkten spielen, wie heute der USC München, der mit einem Anfang 20-Jährigen und einer Frau antritt. Der RSC Nürnberg kann die maximal erlaubte Punktanzahl nicht ausschöpfen und erreicht 12,5 Punkte. Generell dürfen 4,5-Punkte-Spieler unbegrenzt auf der Bank Platz nehmen, sofern sie nicht alle gleichzeitig spielen.

Landesliga steht drauf, aber auch ein Hauch Bundesliga steckt drin

Obwohl die Mannschaften „nur“ in der Landesliga spielen, bin ich vom Niveau positiv überrascht. Es gibt Spieler, die den Ball mit einer Hand fangen und danach mit einem filigranen Finger-Roll einen Korb erzielen. Manche beweisen eine gute Spielübersicht, andere haben ihre Stärken im Tempogegenstoß. Später erfahre ich, dass der USC München in den 1980er, 1990er und frühen 2000er Jahren der beste Verein in Deutschland war. Mehrere Spieler der Landesliga-Auswahl des USC haben früher Bundesliga gespielt.

Gespielt werden wie im Fußgängerbasketball 40 Minuten à 4 Viertel, ein Kampfgericht bestehend aus drei Personen kümmert sich um die Spielzeit, die 24-Sekunden-Zeitnahme und das Eintragen des Spielstands und der Fouls. Auch der Korb hängt in 3,05 Metern Höhe.

Die Parallelen zum Fußgängerbasketball sind auffällig: Manch einer dreht sich mit seinem Rollstuhl, um sich Platz zu verschaffen. Ein sogenannter Spin Move, wie ihn auch NBA-Superstar LeBron James beim Zug zum Korb einsetzt. Fouls ziehen Freiwürfe nach sich, die recht häufig verwandelt werden. Manchmal versucht ein Spieler, sogar von hinter der Dreierlinie abzudrücken. Einmal wird Rückspiel gepfiffen, als der Ball im Vorfeld zu einem Spieler ins Rückfeld gepasst wird.

30,5 Sekunden vor Spielende nimmt Nürnbergs Trainer eine Auszeit, obwohl sein Team deutlich in Rückstand liegt. Kein Punkt wird hier hergeschenkt. Das Ziel der Nürnberger, die 30 Punkte noch zu knacken, geht jedoch nicht auf; der USC München gewinnt mit 62:26.

Die Idee einer Mindestspielzeit für alle Spieler

Nach dem Spiel gehe ich auf die Nürnberger Spieler zu, zunächst spreche ich mit Tobias, dem jüngsten Spieler der Mannschaft. Ich frage nach seinem Nachnamen, „Piller, wie die Pille, nur mit r“, scherzt der 31-Jährige. Gespielt hat er nur in der ersten Hälfte. „Ich war heute nicht so auf der Höhe und habe dem Trainer gesagt, dass jemand anderes spielen soll. Da muss man ehrlich zu sich selbst sein“, gibt er zu. Aber trotzdem findet er, dass er nicht zu kurz kam.

Ich erinnere mich an meine Zeit als Jugendtrainer im Fußgängerbasketball. In der U10 muss jedes Kind mindestens ein Viertel spielen, also 8 Minuten in dieser Altersklasse. Im Rollstuhlbasketball gibt es solch eine Regel nicht. Müsste jeder Spieler eingesetzt werden, könnte sich eine Mannschaft nicht mehr nur auf ein, zwei Schlüsselspieler verlassen. Es käme mehr auf das Kollektiv an – und zusätzlich würde man die Ersatzspieler motivieren, den Sport weiter auszuführen. Was hält er von dieser Idee? „Ich kenne es nicht anders, deswegen stört es mich nicht“, sagt Tobias und lässt sich anschließend doch auf den Gedanken ein. „In den unteren Ligen könnte es durchaus Sinn ergeben, eine Mindestspielzeit einführen. Vor allem, wenn man in einem Spiel hoch zurückliegt. Ob ein Team mit 30 oder 40 Punkten Unterschied verliert, ist letztlich auch egal. Aber das Prinzip mit den Behinderungspunkten finde ich grundsätzlich gut.“

Tobias Piller ist stark eingeschränkt, er ist ein 1,0-Punkte-Spieler – die niedrigste Punktzahl. Spielern mit wenig Mobilität im Oberkörper wie ihm fällt es nicht nur schwer, den Ball in den Korb zu befördern, sondern auch Korbwürfe des Gegners zu erschweren oder zu blocken. „Ich sitze nicht so stabil und bin eng angeschnallt. Damit ich einen Pass verarbeiten kann, muss er präzise kommen.“ Tobias hat eine spastische Tetraparese, nachdem er zwei Monate zu früh auf die Welt gekommen ist. „Ich hatte bei der Geburt einen Sauerstoffmangel und eine Gehirnblutung“, erzählt er. „Rollstuhlbasketball spiele ich seit 2006 oder 2007, als ich in einer Schulmannschaft in Altdorf bei Nürnberg angefangen habe.“

Der inklusivste Sport, den es überhaupt gibt“

„Das Schöne an unserem Sport ist, dass Männer und Frauen, Behinderte und Nichtbehinderte zusammenspielen. Das gibt es in dieser Form kein zweites Mal. Man könnte sagen: Rollstuhlbasketball ist der inklusivste Sport, den es überhaupt gibt“, schwärmt Tobias.

Physische Unterschiede verschwinden im Rollstuhlbasketball zwar nicht, gleichen sich aber an – egal, ob man im Alltag im Rollstuhl sitzt oder nicht. Junge und Alte können ebenso zusammenspielen: Die einen setzen auf ihre Geschwindigkeit, die anderen nutzen ihre Erfahrung. Beim RSC Nürnberg beträgt der Altersunterschied zwischen dem jüngsten und ältesten Spieler fast dreißig Jahre. Außerdem können unterschiedlich mobile Schiedsrichter gemeinsam ein Spiel leiten, wie an diesem Spieltag: Ein Schiedsrichter ist beinamputiert und sitzt im Rollstuhl, der andere läuft.

Rollstuhlbasketball ist Rockmusik

Nun komme ich auf den Jazz-Vergleich zu sprechen, der auch in einem Kapitel des Buchs „The Great Nowitzki“ von Thomas Pletzinger Thema ist. Ich stelle Tobias die Frage nach der Musikrichtung zum Rollstuhlbasketball. „Vielleicht Rockmusik?“, meint Tobias nach kurzem Überlegen, „weil es hin und wieder zu Zusammenstößen kommt und es etwas rabiater zugehen kann.“

Ein Blick in die Musikgeschichte verrät, dass die Wurzeln der Rockmusik im Blues, Country und Jazz liegen. Künstler wie Jimi Hendrix experimentierten mit Elementen aus Rock und Jazz, mit dem Jazzrock entstand in den späten 1960er Jahren sogar ein eigenständiger Musikstil. Rockmusik und Jazz, genau wie Fußgänger- und Rollstuhlbasketball, sind also näher miteinander verbunden, als man auf den ersten Blick denken könnte.

Über die Schwierigkeiten des RSC Nürnberg: Unwetter und Spielerabgänge

Als nächstes sprechen wir über die Schwierigkeiten, die den RSC Nürnberg in diesem Jahr begleitet haben. „Im August ist unsere ursprüngliche Trainingshalle wegen eines Unwetters abgesoffen, sie wird jetzt repariert. Wir haben versucht, eine Ausweichhalle zu finden, aber erst vor sechs Wochen hat uns die Stadt Nürnberg eine zugeteilt. Da wir in den Sommerferien grundsätzlich nicht trainieren und dann das Unwetter kam, haben wir drei Monate gar nicht trainieren können. Die bisherige Saison stand also unter keinem guten Stern.“ Aber auch schon die letzten Jahre waren keine einfachen für die Nürnberger. Das erzählt mir der schon erwähnte Wolfgang Effenberger, den ich nun endlich gefunden habe.

Seit Spielende sind ungefähr 15 Minuten vergangen, erholt und gelassen taucht er mit mir sofort in die Welt des Rollstuhlbasketballs ein: „Letzte Saison haben wir eine Liga höher gespielt, in der Oberliga, und sind auch gegen Teams außerhalb Bayerns angetreten, wie zum Beispiel Pforzheim. Mit unseren damaligen Spielern haben wir sogar den USC besiegt. Wir sind freiwillig in die Landesliga runtergegangen, da zwei unserer Spieler nach Bayreuth gewechselt sind, um 2. Bundesliga zu spielen. Einer davon war unser zweiter großer Center.“ Später merkt Wolfgang beiläufig an, dass der RSC zwischen 2011 und 2022 gar keine Spiele bestritten hat. Fehlt also die Routine? „Die kommt allmählich“, zeigt er sich optimistisch.

2007/2008 stand der RSC kurz vor dem Aufstieg in die 2. Bundesliga, aber scheiterte in der Relegation an Koblenz. „Damals wie heute nur mit Spielern aus der Region, das wäre schon etwas Besonderes gewesen“, sagt Wolfgang und strahlt.

Wolfgang Effenberger: Rollstuhlbasketballer seit 1989

Mit 61 Jahren ist er fast doppelt so alt wie sein Teamkollege Tobias. Schon seit 1989 ist er im Rollstuhlbasketball aktiv. Wolfgang sitzt auch außerhalb des Platzes im Rollstuhl, seit einem Motorradunfall 1979 ist er querschnittsgelähmt. Vorher spielte er Jugendfußball beim VfL Nürnberg in der A-Jugend-Bayernliga, damals der höchsten Liga. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass mir der Mannschaftssport fehlt. Ein Freund, der in den 1980er Jahren Rollstuhlbasketball spielte, wollte mich mitnehmen, aber erst drei Jahre später bin ich mitgegangen“, verrät er.

Wie Tobias ist er ein 1,0-Punkte-Spieler. „Ich habe eine Brustwirbelhöhe von 5, meine Mobilität im Oberkörper ist also stark eingeschränkt. Hauptsächlich merke ich es beim Anschieben, ich kann nicht von der Rückenlehne meines Rollstuhls weg. Ich brauche sie, um Kraft auf meine Arme auszuüben“, erzählt der Fan der Golden State Warriors, der auch die anderen NBA-Teams aus Kalifornien verfolgt, weil er in Los Angeles Verwandtschaft hat.

„Für mich als kleiner Spieler ist es schon schwer genug im Angriff gegen die ausgestreckten Arme vieler großer Gegenspieler abzuschließen. Ich und andere 1,0-Punkte-Spieler treffen auch oft auf 4,5-Punkte-Spieler, die viel beweglicher sind. Als ich angefangen habe, spielten nur echte Rollstuhlfahrer. Dass auch Spieler ohne Behinderung zugelassen wurden, hat erst in den 1990er Jahren eingesetzt“, sagt er.

Spezielle Rollstühle kosten bis zu 10.000 Euro

Ich wusste bereits, dass die Rollstühle speziell für den Sport konzipiert sind, hätte erahnen können, dass sie auf die Körpergröße abgestimmt sein müssen, aber hätte nicht geglaubt, dass sie ein paar Tausende Euro kosten. „Wenn man einen guten will, kostet der heutzutage zwischen 7.000 und 10.000 Euro. Vor 15 Jahren habe ich meinen noch für 6.000 Euro gekauft, für den hätte man heute auch 8.000 oder 9.000 Euro ausgeben müssen.“ Aber die Investition lohnt sich: „Wenn ein Stuhl fest verschweißt ist, geht sehr selten etwas kaputt“, sagt Wolfgang. Seit 1989 hatte er drei Stühle. „Wenn man jugendlich ist, gibt es die Möglichkeit, dass die Krankenkassen die Finanzierung übernehmen, um die Jungen zum Sport zu bewegen. Erwachsene kriegen keinerlei Zuschüsse.“

Wann ist es Foul, wann Schrittfehler?

Ich möchte mit Wolfgang über Regeln sprechen, da mir manchmal nicht klar ist, wann ein Foul gepfiffen werden muss – insbesondere, wenn es zu einer Kollision mit den Rollstühlen kommt. „Wenn zwei Spieler auf gleicher Höhe nebeneinander fahren und einer davon zieht rüber, ist es Foul“, erklärt Wolfgang. Bei der Schrittfehlerregel habe ich weniger Fragezeichen: Zwei Mal darf man anschieben, dann muss man entweder mindestens einmal dribbeln oder abspielen. Wenn man drei Mal anschiebt, ahndet der Schiedsrichter das als Schrittfehler. Im Gegensatz zum Fußgängerbasketball muss man also weniger oft den Ball dribbeln, was auch gar nicht möglich ist, da man seinen Rollstuhl mit beiden Händen anschieben muss, um vorwärtszukommen.

Inzwischen läuft die Partie zwischen den beiden Münchner Mannschaften, während Nürnberg Pause hat. Wolfgang erklärt mir, dass es früher nur den USC gab und sich der RBB abgespalten hat. Der USC habe jetzt zwei Mannschaften, wobei die zweite nicht schlechter als die erste sei, und der RBB sogar vier. Die derzeit besten deutschen Klubs? „Der RSV Lahn-Dill und die RSB Thuringia Bulls. Die haben hauptberufliche Profis aus der ganzen Welt, auch aus Amerika und Australien“, sagt Wolfgang und ergänzt: „In der Bundesliga herrscht eine Zweiklassengesellschaft. Lahn-Dill und Thuringia haben sogar jeweils zwei, drei festangestellte Mitarbeiter, die die ganze Woche für den Verein arbeiten.“ Ich staune darüber, wie professionell die Bundesliga-Topklubs organisiert sind.

Über Vor- und Nachteile des inklusiven Charakters im Rollstuhlbasketball

Wolfgang richtet den Blick aufs Spielfeld und erwähnt, dass die Spieler mit schwerer Beeinträchtigung heutzutage eher Lückenfüller seien. Auch wenn Rollstuhlbasketball der ideale Inklusionssport ist, bleibt eine Herausforderung bestehen: das Spannungsverhältnis eines Sports, der alle einschließt, in dem aber auch die Leistung zählt.

„In den oberen Ligen sind auch die Spieler mit schwerer Beeinträchtigung Cracks. In den unteren Ligen gibt es Spastiker, die auf den Korb werfen wollen, aber nicht können, weil die Spastik den Bewegungsablauf verhindert“, sagt Wolfgang und beschreibt die Schwierigkeiten in den unteren Ligen anhand einer Diskussion, die er mit einer Bundesligatrainerin am Rande eines Trainerlehrgangs führte. „Ich meinte zu ihr, dass sie es vergleichsweise einfach habe. In der Oberliga oder Landesliga habe ich es mit Spielern zu tun, die es vielleicht nie richtig lernen, aber sie wollen mitmachen, ich muss sie trainieren und bei Laune halten. In der Bundesliga müssen die Spieler die Grundlagen nicht mehr lernen und brauchen theoretisch keinen Trainer.“ Nuancen lassen sich natürlich auch in der Bundesliga herausholen, aber in den unteren Ligen geht es um die korrekte Ausführung der Grundlagen, auf die Wolfgang Bezug nimmt. Dann sagt er: „Wir sind für jeden offen. Beispielsweise können die Münchner alle Leistungsstufen abdecken, da sie mehrere Mannschaften haben.“

Volle Kraft beim Korbwurf nötig

In der Halbzeit des Spiels zwischen den beiden Münchner Mannschaften frage ich nach, ob ich mich auch mal in einen Rollstuhl setzen und auf den Korb werfen könne. Peter Röder, der 1,98 Meter große Center des RSC leiht mir seinen Stuhl. Peter ist 51 Jahre alt, im normalen Leben nicht eingeschränkt und daher ein 4,5-Punkte-Spieler. Vor zwanzig Jahren hat er sogar Rollstuhlbasketballbundesliga gespielt.

Ich setze mich in den Rollstuhl, ziehe die Schnalle fest und nehme Anlauf von hinter der Dreierlinie. Das Dribbeln klappt besser als erwartet, das Lenken hingegen ist ungewohnt. Ich kann zwei Körbe erzielen, die meisten Würfe klatschen jedoch gegen den Ring, obwohl ich mit voller Kraft werfe. Ich bekomme einen Eindruck davon, wie schwer die Korbwürfe für Wolfgang und Tobias sein müssen, die im Oberkörper viel weniger beweglich sind als ich.

Der USC München lässt dem RBB München beim 77:11 keine Chance. Auch der RSC Nürnberg schließt den Spieltag mit einem Erfolgserlebnis ab und gewinnt mit 49:17 gegen den RBB. Der USC München gewinnt also dieses „Mini-Turnier“. Als ich die Halle verlasse, denke ich an Holger Geschwindner, früher einen der besten Fußgängerbasketballer Deutschlands, der in den 1970er Jahren auch für den USC München auf Korbjagd ging. Und ich stelle fest, dass Basketball nicht nur Jazz ist, Rollstuhlbasketball nicht nur Rockmusik, sondern in beiden Sportarten noch so viel mehr steckt: Fairness und Freundschaft, Einsatz und Ehrgeiz, und jede Menge Vielfalt…

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