Sonstiger Sport

Olympia 2016: Der lila Pinkler und die Falschparkerin

Die Olympiamedaillen für die ehemaligen Dopingsünder Sun Yang und Julia Jefimowa sorgen weltweit für Empörung. Dass die russische Schwimmerin bei den Spielen in Rio überhaupt dabei sein darf, kommt einem Skandal gleich.

Im Oktober 2013 wurde die Schwimmerin Julia Jefimowa positiv auf das verbotene Steroid Dehydroepiandrosteron getestet. Bitter für die Athletin, sie würde bei den Heim-Weltmeisterschaften in Kasan im Sommer 2015 nicht teilnehmen dürfen. Doch aus unbekannten Gründen sperrte der Schwimmweltverband FINA Jefimowa nicht wie üblich für zwei Jahre, sondern nur für 16 Monate.

Pünktlich zum Saisonhöhepunkt in Kasan war sie wieder startberechtigt und gewann dort Gold über die 100 Meter Brust. Doch die merkwürdige Entscheidung des Verbands ist nicht das Ende einer absurden Geschichte. Im Interview mit dem ZDF verglich sie bei der WM 2015 ihre Dopingsperre mit einem Strafzettel bei einem Verkehrsdelikt: „Du bezahlst und alles ist wieder okay“.

Im März diesen Jahres wurde Jefimowa mit dem seit dem 1.1.2016 verbotenen Mittel Meldonium erwischt. Die gleiche Substanz nahm der russische Tennis-Star Maria Scharapowa bei den Australian Open im Januar ein, sie darf voraussichtlich erst wieder im Frühjahr 2018 professionell Tennis spielen. Jefimowa hingegen darf seit Mai wieder mit ihrem Sport Geld verdienen. Die Weltantidopingagentur WADA hob die Sperre gegen die 24-jährige auf, da es unklar sei, wie lange es dauere, das Mittel im Körper abzubauen. Erst am letzen Donnerstag erstritt sie ihr Startrecht bei den Olympischen Spielen in Rio vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS.

Keine Gratulation für Jefimowa

Wenige Tage später gewann sie die Silbermedaille über 100 Meter Brust. Nur die US-Amerikanerin Lilly King schlug vor der Russin an. Im Becken ignorierte die 19-jährige frischgebackene Olympiasiegerin demonstrativ die Zweitplatzierte, während King ihre Teamkameradin Katie Meili, die zu Bronze geschwommen ist, freudestrahlend umarmt. Die Erleichterung der neutralen Fans angesichts der verpassten Goldmedaille für Jefimova im Aquatics Center von Rio war spürbar. Lilly King wurde für eine Sportlerin, die nicht aus Brasilien stammt, ausgesprochen euphorisch bejubelt.

In den Interviwes sprach sie hernach: „Mein Sieg war ein Sieg für den sauberen Sport“. In der offiziellen Pressekonferenz setzte sich King nicht – wie für Gewinner üblich – in die Mitte, sondern nahm rechts Platz, um möglichst weit von Jefimowa zu sitzen. Eine weitere psychische Ohrfeige für die Russin. Irgendwann wurde ihr alles zu viel, sie kämpfte mit ihrer Gefühlswelt. In der Interviewzone brach sie in Tränen aus, Trost bekam sie nur von der Ehefrau von Jefimowas Manager.

Der deutsche Schwimmbundestrainer sagte mit Blick auf die Goldmedaillenvergabe, dass es schön sei, dass wir eine andere Siegerin sehen als die, die wir alle nicht sehen wollten. Beim Einlaufen vor dem Finale wurde Jefimowa schon mit heftigen Pfiffen bedacht. Auch das Publikum wusste, dass ein Verkehrsdelikt wie Falschparken und eine Dopingvorgeschichte eines Sportlers wenig gemeinsam haben, beziehungsweise andere Reaktionen hervorrufen und unterschiedlich bestraft werden sollten. Ja, die Betonung liegt hier auf sollten. 

Am gleichen Tag, kurz bevor sich Jefimowa Silber sicherte, schwam der Chinese Sun Yang zu Gold. Über die 200 Meter Freistil war er mit 1:45,65 ganze 55 Hundertstel schneller als der Zweite Conor Dwyer. Auf dieser Distanz fast ein Klassenunterschied. Paul Biedermann musste sich in seinem letzten Einzelrennen bei Olympischen Spielen mit dem 6. Platz begnügen.

Lacourt: „Sun Yang pinkelt lila.“

Sun Yang war 2014 bei den chinesischen Meisterschaften positiv auf das Stimulans Trimetazidin getestet worden, die kurze Sperre von einem Jahr war eine regelrechte Komödie. Der französische Schwimmer Camille Lacourt, derzeit auch Olympiateilnehmer, erklärte mit einer Mischung aus Ironie und Realität: „Sun Yang pinkelt lila. Wenn ich das Podium über 200m Freistil sehe, will ich mich übergeben.“

Die Athleten selbst haben in Rio ein Zeichen gesetzt. Viele stehen für einen sauberen Sport und verurteilen die Betrüger, frühere Täter wie Yang oder Jefimowa stehen im Abseits, werden missachtet und nicht als gleichrangige Teilnehmer anerkannt und respektiert. Dieser Zusammenhalt unter den Athleten sollte dem IOC und der FINA zu Denken geben.

Die Organisationen haben es versäumt, die Sünder schwerer zu bestrafen, so rücken die Athleten untereinander noch stärker zusammen und stemmen sich trotz ihrer Machtlosigkeit gegen das Unrecht. Bei den Zuschauern entfaltet sich daher die Hoffnung, dass viele Sportler für einen aufrichtigen Wettkampf stehen, doch bei den zahlreichen Weltrekorden in der ersten Schwimmwoche bei Olympia schwimmt die Skepsis immer mit.

 

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