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Fußball: Warum Beidfüßigkeit von Vorteil ist

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Die meisten Menschen schreiben mit rechts, eine Minderheit benutzt die linke Hand. Unterschiedliche Schätzungen und Studien geben kein konkretes Bild ab, der Anteil an Linkshändern soll zwischen 6 und 30 Prozent liegen. Jedenfalls hat der Mensch klare Präferenzen für die eine der beiden Hände. Sucht man den weiteren Körper ab, wird man auch bei Füßen eine Unausgewogenheit feststellen können. Insbesondere im Fußball wird das deutlich. Die meisten Spieler nutzen bevorzugt ihren stärkeren (rechten) Fuß, dabei hätte das Training des schwächeren viele Vorzüge. 

Einer Studie der London School of Economics aus dem Jahr 2009 zufolge sind 60 Prozent der Spieler Rechtsfüße, 22 Prozent favorisieren ihren linken Fuß. 18 Prozent wurden als beidfüßig eingestuft, wobei die Mehrzahl davon sich diese Fähigkeit antrainiert hat und nur die wenigsten von ihnen ausbalanciert auf die Welt kamen. Untersucht wurden übrigens Profis aus den fünf europäischen Top-Ligen.

Auch im höchsten Profibereich kann also nur eine Minderheit mit beiden Füßen (annährend) gleich stark schießen, präzise passen und mit dem Ball sowohl mit rechts als auch mit links ähnlich geschickt umgehen, sich aufdrehen und ins Dribbling gehen. Dabei würde die Förderung des jeweils schwächer ausgeprägten Fußes viele Vorteile mit sich bringen.

Sonderfall Robben

Der inzwischen den Ruhestand genießende Ex-Münchner Arjen Robben war dafür bekannt, überwiegend seinen linken Fuß zu benutzen. Von der rechten Außenbahn kommend dribbelte er mit seinem linken Fuß regelmäßig ins Zentrum. Für Verteidiger war es häufig vorauszusehen, was der Niederländer vorhatte. Wenn sich die Gelegenheit bot, suchte Robben meist den Torabschluss. Hätte man Robben auf die linke Seite gestellt, hätte er seine Solos kaum so effizient ausführen können.

Innerhalb seiner Komfortzone agierte er allerdings sehr variabel, nutzte Verzögerungen und täuschte Schüsse an. Des Weiteren glänzte er mit einer hervorragenden Ballbehandlung und einem sicheren Schuss. Über ein Jahrzehnt gehörte er zu den besten Kickern der Bundesliga, auch international gab es nur wenig so gute Flügelspieler wie ihn. Und jetzt stelle man sich vor, Robben wäre beidfüßig gewesen, hätte präzise Flanken von beiden Seiten schlagen können und wäre auch auf der linken Außenbahn einsetzbar gewesen.

Das größte Plus eines beidfüßigen Spielers ist seine geringere Ausrechenbarkeit. Für einen versierten Verteidiger sind die Bewegungsmuster eines einseitig geprägten Offensivspielers tendenziell leichter zu antizipieren. Wenn man Arjen Robben heißt, relativiert sich dieses Manko natürlich beträchtlich. Seine Bewegungen waren erwartbar, aber trotzdem oft nicht zu verteidigen. Jedoch könnten viele Spieler, egal ob im Jugend-, Amateur- oder Profibereich von einer gleichmäßigen Ausbildung beider Füße profitieren.

Vorteile von Beidfüßigkeit

Ein fiktiver, aber oft genug erlebter Fall: Ein Außenverteidiger sprintet auf der linken Seite mit dem Ball die Außenlinie entlang. Ein beidfüßiger Außenverteidiger hat nun die Möglichkeit und kann zur Grundlinie durchbrechen, um mit links zu flanken oder er kann Richtung Spielfeldmitte ziehen, woraufhin sich ihm wiederum mehrere Optionen ergeben. Ein reiner Linksfuß würde es tatsächlich viel schwerer haben, den Ball zu behaupten. Einerseits weiß der Gegenspieler viel eher, was ihn erwartet. Andererseits würde der linke Außenverteidiger technische Probleme bekommen, sollte er sich entscheiden in den Halbraum beziehungsweise ins Zentrum zu dribbeln. Die Gefahr eines Ballverlusts wäre real. Aus Sorge, Fehler zu machen, verzichtet der linke Außenverteidiger aufs beschriebene Dribbling und schränkt dadurch die Optionen seiner Mannschaft ein. Kreativität und Tempo bleiben auf der Strecke.

Beidfüßigkeit hat vor allem beim Dribbling einen ganz praktischen Vorteil: Wird der gegnerentfernte Fuß – sei es der linke oder rechte – zum Dribbeln gebraucht, ist der Abstand zwischen Ball und Gegenspieler größer. Für den Verteidiger ist es so schwieriger, den Ball zu erobern. Häufig aber nutzen Spieler ihren stärkeren Fuß für die Ballführung, besonders auf langen Strecken.

Für defensive Mittelfeldspieler ist das Training des „schwächeren“ Fußes ebenfalls empfehlenswert, um später einmal mühelos und sicher mit beiden Füßen spielen zu können. Mit links oder rechts können sie den Ball dann besser und schneller klatschen lassen, egal aus welcher Richtung der Gegnerdruck kommt.

Und beim zielgerichteten Offensivspiel hilft es dem defensiven Mittelfeldspieler auch, wenn er den Ball sowohl mit links als auch mit rechts in den offenen Raum mitnehmen kann, nachdem er durch geschicktes Aufdrehen den Verteidiger hinter sich gelassen hat. Ein Spieler, der einseitig auf einen bestimmten Fuß gepolt ist, wird den Ball stattdessen bevorzugt in eine Richtung mitnehmen.

Darüber hinaus nützt die Beidfüßigkeit auch beim Torabschluss, denn Spieler dieses Typs müssen den Ball nicht unnötig auf ihren stärkeren Fuß legen – und sind so handlungsschneller. Gerade vor dem Tor zählt bekanntlich jede Millisekunde. Deutschlands WM 1990-Held Andreas Brehme hat sogar Elfmeter mit seinem nominell schwächeren linken Fuß geschossen und getroffen. „Also bei mir geht das mit dem linken Fuß genauer und mit dem rechten fester“, sagte er einmal.

Bei Cristiano Ronaldo und Lionel Messi fällt es schwer zu erkennen, welcher ihrer beiden Füße eigentlich der bessere ist. Wieder mal ein Beweis der Qualität der beiden. Und ein Beleg, dass sich es lohnen kann, Zeit in die Ausbildung seines schwächeren Fußes zu stecken.

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