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Fußball: Manchester Citys Filiale in Girona

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Im Weltfußball sind mehrere Klubs miteinander verwoben. Die beiden vom Red Bull-Konzern gesponserten Vereine aus Leipzig und Salzburg gelten als prägnantestes Beispiel. Der FC Chelsea unterhält eine Kooperation mit dem niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim. ​Manchester City steht ihnen aber in nichts nach. 

Im US-Sport ist das Modell des Farmteams regelkonform und vertraut. Vielversprechende Begabungen sollen bei einem Ausbildungsklub auf weniger hohem Niveau Erfahrung und Spielpraxis sammeln, ehe sie für den nächsten Schritt bereit sein sollen. Seit Sommer 2016 kann man auch den Fußballverein FC Girona als Farmteam bezeichnen. Der amtierende englische Meister Manchester City und der spanische Erstliga-Aufsteiger von 2017 pflegen eine Beziehung, die über den informellen Austausch von Expertise hinausgeht. Immer wieder verleiht Manchester City Talente in die katalanische Provinzstadt.

Profit für beide Seiten

Girona bekommt so Profis, die ohne die Zusammenarbeit nicht finanzierbar wären, wie den 20-jährigen Brasilianer Douglas Luiz, den Manchester City im Sommer 2017 für zwölf Millionen Euro von Vasco da Gama verpflichtete und einen Tag später nach Girona schickte. Die „Skyblues“ dagegen können Talenten aus der zweiten Reihe, von denen sie ausgehen, dass sie noch Zeit brauchen, Spielpraxis in einer der besten Ligen der Welt verschaffen. Denn Girona spielt seit eineinhalb Jahren in der ​Primera Division und tritt regelmäßig gegen Barcelona, Atletico und Real Madrid an.

Neben Luiz kicken momentan mit Aleix Garcia (21) und Patrick Roberts (21) zwei weitere City-Leihspieler in der malerischen Region im Nordosten Spaniens zwischen Pyrenäen und Costa Brava. Auch Ex-City-Rechtsverteidiger Pablo Maffeo machte bei Girona große Fortschritte, seit fünf Monaten spielt er für den ​VfB Stuttgart. Zwar bestritt Maffeo nicht ein einziges Spiel für Manchester, allerdings profitierte man von einer Ablösesumme 9-Millionen-Euro-Ablösesumme.

Kein Fußball-Märchen

Bis vor Kurzem war die Gegend ausschließlich für professionelle Radrennfahrer interessant, die unter der katalanischen Sonne ihr Trainingslager absolvierten. Jetzt lenken auch die Ballvirtuosen die Aufmerksamkeit auf sich. In der Tabelle liegt das Team von Trainer Eusebio mit 21 Zählern auf Platz neun, renommierte Vertreter wie der FC Valencia oder Athletic Bilbao rangieren hinter dem Emporkömmling. Gegen Atletico Madrid holte die Mannschaft ein beachtliches 1:1, in Barcelona überraschte Girona im September mit einem 2:2-Remis. Doch als Fußball-Märchen geht die Geschichte nicht durch.

88,6 Prozent der Anteile am Verein halten zu gleichen Teilen die City Football Group (CFG) und die eigens gegründete Football Group von Pere Guardiola, Spielervermittler und Bruder von Pep Guardiola, der seit mehr als zwei Jahren die „Citizens“ trainiert. Während der gesamte Klub-Etat vor drei Jahren noch 8,5 Millionen Euro umfasste, beläuft sich dieser jetzt auf 52 Millionen Euro – Tendenz steigend. Gironas Stadion wurde jüngst von 10.000 auf 14.500 Zuschauerplätze erweitert. Zudem will Manchester ein neues Nachwuchszentrum in Girona finanzieren.

Die UEFA macht sich zumindest auf dem Papier für die strikte Trennung von Vereinen stark, doch sowohl bei Leipzig und Salzburg als auch bei Manchester und Girona scheint sie ein Auge zuzudrücken.

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