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Fußball: Ein Spiel könnte 60 Minuten dauern

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Das Zeitspiel gehört zum Fußball wie Abseits, Elfmeterschießen und inzwischen auch der Videobeweis. Mit der Einführung einer Netto-Spielzeit würden die Regelhüter der Zeitschinderei jedoch zuvorkommen.

In vielen Sportarten wird die Uhr angehalten, wenn der Ball ruht. Im Basketball etwa bei Fouls, Auszeiten der Trainer oder Einwürfen. Im Eishockey stoppt die Zeit ebenfalls nach jeder Unterbrechung. In 60 Minuten Eiszeit stecken auch wirklich 60 Minuten drin. Im Fußball ist das anders. Das Zitat des deutschen Weltmeistertrainers von 1954 Sepp Herberger: „Ein Spiel dauert 90 Minuten“, ist noch immer gültig.

Eine Analyse des Fachmagazins kicker vor eineinhalb Jahren hat ergeben, dass in der Bundesliga die Netto-Spielzeit etwas mehr als 56 Minuten beträgt. Beim 0:0 zwischen Eintracht Frankfurt und dem Hamburger SV am 17. März 2017 rollte der Ball gerade mal 41 Minuten – nicht einmal eine Halbzeit lang. Setzt man ein Spiel künftig auf 60 Minuten an, bräuchte es keine Nachspielzeit mehr, die sowieso jeder Schiedsrichter subjektiv ermisst. Warum sollte man ausgerechnet 60 Minuten spielen lassen? Die reine Ballzeit von heute rund 56 Minuten wäre in etwa gleich. Das ist aber nicht der einzige Vorteil.

Zwar steigt die Nachspielzeit in den letzten Jahren kontinuierlich an, doch diese Maßnahme reicht bei weitem nicht aus, um das Spiel gerechter zu machen. Gegnerische Fouls werden häufig dankbar angenommen, Verletzungen vorgetäuscht. In den letzten 10 Minuten traben ausgewechselte Spieler so langsam den Rasen herunter, dass oft eine halbe Minute vergeht.

Auf Kosten der Attraktivität und der Fairness

Viel zu häufig melken Mannschaften die Uhr, die mit einem knappen 1:0 oder einem Remis zufrieden sind. Dieses Phänomen ist nicht nur in der Bundesliga, sondern überall auf der Welt zu beobachten. Für technisch und läuferisch unterlegene Teams ist das vorsätzliche Zeitspiel einen gern genutzter Ansatz. Doch es leidet nicht nur die Attraktivität des Fußballs, sondern auch Werte wie Fairness und Aufrichtigkeit.

Es gibt aber auch Einwände und Nachteile. Aktuell dauert ein Spiel inklusive Halbzeitpause durchschnittlich 110 Minuten. Spieler und Fans sind an diese Dauer gewöhnt. Man kann abschätzen, wie viel Zeit einem für den Resttag bleibt. Noch fehlen aber Praxisbeispiele, wie lange eine Netto-Partie brutto dauern würde.

Außerdem könnten die Unterbrechungen kommerziell ausgeschlachtet werden, sollten Firmen in den Unterbrechungspausen der TV-Übertragung werben dürfen. Im American Football sind Werbepausen gängig, ein Spiel dauert knapp drei Stunden. Dort ist der Ball aber immer nur wenige Sekunden im Spiel, jede Sequenz steht für sich allein. Der Fußball ist ein stetiges Spiel. Werbepausen würden dem Spielfluss schaden.

Bewahrt man den Fußball in seiner traditionellen Form und hübscht ihn auf mit der Einführung einer Netto-Spielzeit, würde sich das Zeitspiel allerdings erübrigen. Schwächere Teams würden sich etwas härter tun, Favoriten ein Bein zu stellen, weil die Zeitschinderei keinen Effekt mehr hätte. Der Fußball aber wäre fairer.

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