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Fußball: Kritik verdaut? Zumindest auf dem Rasen ist Mesut Özil wieder in Galaform

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In den letzten Monaten prasselten viele Stimmen auf ​Mesut Özil ein. Erst das Foto mit dem türkischen Machthaber Tayip Recep Erdogan, dann das WM-Aus in der Vorrunde und sein Rücktritt aus der Nationalmannschaft. In Deutschland entflammte eine Debatte rund um Rassismus und Integration. Der Umgang des 30-Jährigen mit all den Themen war fragwürdig. Doch fußballerisch scheint ihn der Trubel nicht mehr zu limitieren.

Man weiß nicht, ob FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß am Montagabend das Spiel des FC Arsenal gegen Leicester City gesehen hat. Falls ja, müsste er seine Meinung zu Mesut Özil überdenken. „Mesut Özil hat seit Jahren einen Dreck gespielt. Den letzten Zweikampf hat er vor der WM 2014 gewonnen“, sagte Hoeneß kurz nach dem Rücktritt des Deutsch-Türken aus der Nationalmannschaft im Juli.

Die provokanten Aussagen des 66-Jährigen hatten schon damals wenig Gehalt, obwohl Özil bei der Weltmeisterschaft ähnlich wie seine Mitspieler eine unglückliche Figur abgab. Doch mit seinem Auftritt beim 3:1-Heimsieg gegen Leicester schmetterte der 30-jährige Mittelfeldspieler des FC Arsenal die Kritik an seiner Person mit Vehemenz von sich.

An allen drei Toren, von denen das eine schöner war als das andere, war Özil beteiligt. Seinen gekonnten Treffer mit der Innenseite zum 1:1 initiierte er selbst nach einem punktgenauem Doppelpass mit Hector Bellerin. Beim 2:1 hatte er seine Füße ebenfalls im Spiel. Das 3:1 war die Krönung. Am Mittelkreis leitete Özil den Ball mit der Hacke weiter, schnell kombinierte sich Arsenal in die gegnerische Hälfte, wo Özil in vollem Tempo erneut an den Ball gelangte und mit einem überlegten Anspiel dem besser postierten Aubayemang zum Doppelpack verhalf. Fußball wie im Rausch.

Bellerin lobt Özil

„Er ist ein geborener Champion und ein Vorbild für alle“, sagte Hector Bellerin, mit dem Özil eine glänzende Chemie auf dem Feld hat. „Mesut ist ein Spieler, der immer sein Bestes gibt. Wenn wir guten Fußball spielen und er seine Räume findet, ist er mit seinen Pässen und seinen Abschlüssen immer ein Killer“, fügte der spanische Rechtsverteidiger hinzu.

Nicht nur wegen seiner Leistung war die Partie für Özil eine besondere. Da die Stamm-Kapitäne Laurent Koscielny und Petr Cech verletzt fehlten, durfte er die Mannschaft mit der Binde um den Arm auf den Rasen führen, was ihm sichtlich Auftrieb und Selbstvertrauen gab. Obendrein konnte er sich noch über einen persönlichen Rekord freuen. Mit seinem 30. Premier-League-Treffer löste er Jürgen Klinsmann ab, der die Rangliste der deutschen Torjäger in England zuvor angeführt hatte.

Vielschichtige Debatte

Rund um das WM-Debakel, seinen Rücktritt aus dem DFB-Team, das Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan, Rassismusthemen und Özils Leistungen in Russland schossen sich Medien, Experten, Funktionäre und sogar Spieler wie Toni Kroos auf Özil ein. Die Diskussion, die manchmal sportlich, manchmal politisch und manchmal interkulturell geführt wurde, entwickelte sich plötzlich zum Thema für die Tagesschau. Aber weiterhin wurden unterschiedliche Ebenen miteinander vermischt.

Weil sich der gebürtige Gelsenkirchener öffentlich nicht zur Causa Erdogan äußerte, zog er viel berechtigte Kritik auf sich. Doch den 92-fachen Nationalspieler als Alleinschuldigen für die verkorkste Weltmeisterschaft auszumachen, wäre zu einfach. Als Beispiel für die fehlgeschlagene Integration von Bürgern mit doppelter Staatsbürgerschaft kann der Weltmeister von 2014 sowieso nicht gelten. Außenminister Heiko Maas hatte treffend gesagt: „Ich glaube nicht, dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland.“

Erfolgreiche „Gunners“

Mit ein paar Wochen Abstand hat Özil die Debatten und Misstöne zumindest äußerlich und als Fußballer überwunden. Nach seinem Nationalmannschafts-Rücktritt kann sich der 30-Jährige jetzt ganz auf seinen Klub fokussieren. Während die Sorgen um die Nationalmannschaft und Trainer Joachim Löw immer größer werden, hat Özil die Kritik jedenfalls auf dem Spielfeld hinter sich gelassen.

Sein Verein gewann die letzten sieben Premier-League-Partien. Auch dank Özil stehen die Londoner auf Platz vier und halten Anschluss an das Spitzentrio um Manchester City, Liverpool und den FC Chelsea. Ein Manko muss Özil allerdings ausräumen. In Spielen gegen die Beletage der Liga taucht er oft ab. In der Vergangenheit wurde der Offensivspieler häufig wegen seiner lethargischen und teilnahmslosen Spielweise in diesen Duellen gescholten. Oft auch aus gutem Grund. Die nächste Gelegenheit, diesen Vorwurf zu entkräften, erhält Özil am 3. November gegen Liverpool.

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