Basketball

NBA Finals 2016: Echte Männer weinen (nicht)

https://pixabay.com/de/real-madrid-champion-königs-cup-1395795/

Clevland gelingt ein Meisterstück. Im dramatischen siebten Spiel der NBA Finals schenkt LeBron James seinen Cavaliers die lang ersehnte Meisterschaft, während Kyrie Irving ein Wurf für die Geschichtsbücher gelingt.

Es waren noch 1:53 Minuten zu spielen im entscheidenden Spiel 7 in den NBA Finals 2016 zwischen den Golden State Warriors und den Clevland Cavaliers. Beim Stand von 89:89 kam der Moment, der die einen völlig verzweifeln lässt und auf die anderen wie eine Spritze Selbstvertrauen wirkt. Andre Iguodala startete einen Schnellangriff, passte zum mitgelaufenen Stephen Curry, der wiederum „Iggy“ per Bodenpass anspielte. Bis auf J.R. Smith hatten die Warriors jeden Cavs-Akteur auf dem Spielfeld hinter sich gelassen. Iguodala setzte zum Korbleger an und nachdem der Ball seine Hand verlassen hatte, sein Team sich schon mit 91:89 in Führung wähnte, kam hinter Iguodala der Cavaliers-Star LeBron James angeflogen. James schmetterte das Spielgerät auf das verglaste Basketballbrett ohne dabei Iguodala zu berühren. Es blieb vorerst beim 89:89. Dieser Block war ein Kunstwerk für sich. Elegant, brachial, kraftvoll.

Etwa 5 Minuten später brach James in Tränen aus. Kevin Love eilte zu ihm, allerdings nicht um ihn zu trösten, sondern zu herzen. Bald bildete sich um den 31-jährigen eine euphorisierte Spielertraube. Die Mannschaft von Trainer Tyronn Lue hatte nach dem 93:89-Erfolg Geschichte geschrieben.

Die Clevland Cavaliers holten nicht nur ihre erste Meisterschaft überhaupt, sondern in 70 Jahren NBA-Geschichte war es auch noch keinem Team in den NBA Finals gelungen nach einem 1:3-Rückstand die Meisterschaft einzufahren. Die meisten Experten hatten nach dem vierten Spiel ein schnelles Ende der Serie prophezeit, doch nach den Siegen der Cavaliers in Spiel 5 und 6, wendete sich das Blatt. Der Vorteil lag dennoch weiterhin bei Golden State, das siebte Spiel fand in Oakland statt. Doch die spielerische Leichtigkeit, die das Team von Coach Steve Kerr über die komplette Saison ausgezeichnet hatte, blitzte letzte Nacht nur phasenweise auf.

Green und James drehen auf

Die Maßnahme Kerrs, Festus Ezeli (0 Punkte, 0/4 Field Goals) in die Starting Five zu beordern, ging nicht auf. Schnell kehrte der zum Trainer des Jahres ernannte Kerr zu der Aufstellung zurück, die Golden State in dieser Saison so stark gemacht hatte: Curry, Klay Thompson, Harrison Barnes, Iguodala und der nur 2,03 m große Draymond Green (32 Punkte, 6/8 Dreipunktewürfe) als Center. Green zeigte sich selten unter dem Korb, er positionierte sich viel öfter an der Dreierlinie, wo er häufig erfolgreich abschloss. Trotz der starken Dreierquote, 10 von 21 zur Halbzeit, lag die Truppe um Steph Curry nur mit 49:42 zur Halbzeit vorne. Zum Vergleich: Clevland traf nur einen seiner 14 Dreierversuche bis zur Halbzeit.

Doch dank eines überragenden LeBron James, der mit 27 Punkten, 11 Rebounds und 11 Assists ein Triple-Double markierte, blieb die Mannschaft aus Ohio in Schlagdistanz. Auch Kyrie Irving mit 26 Punkten und Tristan Thompson mit 9 Punkten und einigen wichtigen Defensivaktionen trugen ihren Teil dazu bei, das Spiel bis zum Schluss offenzuhalten.

Curry zwischen Genie und Wahnsinn

Indes erwischten die Splash Brothers Steph Curry (17 Punkte, 4/14 Dreipunktewürfe, 2 Assists, 4 Turnover) und Klay Thompson (14 Punkte, 6/17 Field Goals) nicht ihren besten Tag. Bezeichnend für den Auftritt Currys war sein Pass, den er hinter dem Rücken zu Klay Thompson spielen wollte, der im Aus landete. Mit seinem äußerst lässigen Spielstil war der MVP der regulären Saison über die gesamte Finalserie nicht sonderlich erfolgreich gewesen. Kritik, die sich auch ein Spieler gefallen lassen muss, der mit seinen Dreipunktewürfen den Basketballsport in den letzten Jahren revolutioniert hatte.

Obwohl das statistisch beste Team aller Zeiten, die Golden State Warriors 2015/16 mit 73 Siegen aus 82 Spielen in der regulären Saison, ihre Saison nicht krönen konnte, zeigte sich Draymond Green pragmatisch: „Ich sehe nicht ein, wegen der verlorenen Finals die Saison als gescheitert anzusehen.“

Während die Warriors in den Interviews nach dem Spiel betonten, zurückkommen und die Niederlage als Motivation nehmen zu wollen, stimmten die Spieler der Cavaliers das ein oder andere Loblied auf LeBron James an. Kyrie Irving, der mit einem wichtigen Dreier zum 92:89 die Weichen zum Sieg gestellt hatte, sagte: „Wir haben Geschichte geschrieben. LeBron ist der beste Spieler des Planeten.“ Richard Jefferson, der nach dem Spiel seine Karriere beendete, war beeindruckt vom Finals MVP 2016: „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie gesehen, wie ein Mann einem ganzen Bundesstaat gesagt hat: Steigt auf meinen Rücken, ich werde euch tragen.“

LeBron James ist längst kein Mann, der von seinen Gefühlen überwältigt wird. Er ist stark, muskelbepackt und 2,03 m groß. Doch wer seine Geschichte kennt, weiß, dass diese Championship ihm noch mehr bedeutet als die beiden Triumphe mit der Startruppe damals bei den Miami Heat. 9 Jahre spielte er insgesamt für die Cavaliers, in Northeast Ohio ist er aufgewachsen. Die Tränen nach Spielschluss waren ein Zeichen seiner Verbundenheit zur Stadt Clevland und Region Ohio. Nach Spielschluss brüllte er folgende Worte unter die Hallendecke: „Clevland! Das ist für euch.“

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.