American Football Sport

NFL: Mahomes Miracle in Miami

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Die Kansas City Chiefs sind im American-Football-Königreich. Im Finale der National Football League (NFL) in Miami gegen die San Francisco 49ers brauchte es wieder einmal eine Aufholjagd, um den ersten Super Bowl seit 50 Jahren einzufahren. Quarterback Patrick Mahomes ist der Titelheld, den auch die Mitspieler bewundern. 

Patrick Mahomes verfehlte Passempfänger, brachte seine Pässe nicht so akkurat wie gewohnt an und spürte ständig den Druck der Verteidiger. Die Defensive Line der 49ers um Nick Bosa präsentierte sich in blendender Verfassung, die allseits gerühmte Offensivmaschinerie der Kansas City Chiefs ächzte und knirschte.

Mahomes warf sogar zwei Interceptions: Erst in die Hände von 49ers-Linebacker Fred Warner, später warf er seinem eigenen Passempfänger Tyreek Hill den Ball in den Rücken. Hill brachte zwar noch seine Hände an den Ball, konnte diesen aber nicht kontrollieren. So wurde 49ers-Safety Tarvarius Moore zum Nutznießer und fing den Ball ab.

Mahomes machte Fehler, die ihm in dieser Masse normalerweise nicht unterlaufen. In seiner ersten Saison als Starter wurde er zum wertvollsten Spieler der NFL gekürt, in seiner zweiten kam er in 14 Spielen insgesamt auf nur 5 Interceptions. Kaum ein Profi hatte je die NFL schneller in seinen Bann gezogen als Patrick Mahomes.

Doch an diesem Abend in Miami beim größten Einzelsportereignis der Welt wollte es nicht so richtig laufen. Über mehr als drei Viertel lang hatte Kansas City offensiv nicht viel zustandegebracht. Mit 8 Minuten verbleibender Spielzeit führte San Francisco 20:10 und Fans der Rot-Goldenen wähnten sich vielleicht schon im Konfetti-Glück. Doch wer die Playoffs in diesem Jahr verfolgt hat, dürfte wissen, dass die Chiefs einen Rückstand als Motivation verstehen.

Erfahren im Aufholen

Gegen die Houston Texans lagen sie nach einer Verkettung unglücklicher Umstände rasch mit 0:24 zurück, aber noch vor der Halbzeitpause drehten die Chiefs das Spiel und gingen mit 28:24 in die Kabine. In der zweiten Hälfte ließen sie nichts mehr anbrennen und gewannen auf beeindruckende Weise mit 51:31. In der nächsten Partie gegen die Tennessee Titans starteten die Chiefs erneut mühsam. Den zwischenzeitlichen 7:17-Rückstand machten die Mannen aus dem Bundesstaat Missouri jedoch wett und siegten mit 35:24.

Allerdings hatten die Chiefs in den beiden vorherigen Spielen für ihre Comebacks nie im vierten und letzten Spielabschnitt beginnen müssen, im Super Bowl allerdings waren sie gezwungen, spät in die Gänge zu kommen. Und das taten sie zunächst einmal mit einem phänomenalen Pass von Patrick Mahomes auf Tyreek Hill (Raumgewinn: 44 Yards), bei dem der Quarterback Richtung eigene Hälfte lief, um den heranstürmenden Verteidiger DeForest Buckner nicht an sich herankommen zu lassen, und trotzdem brachte Mahomes den Ball auf den ungedeckten Hill an. Der Ball war 57 Yards in der Luft, kein angebrachter Pass von Mahomes in dieser Saison war länger unterwegs. Kurze Zeit später fand Mahomes Travis Kelce in der Endzone und die Chiefs verkürzten somit auf 17:20.

Auch die Verteidigung der Chiefs hatte ihren Anteil am Comeback; sie zwang die Offensive der 49ers, das Feld schnellstmöglich wieder verlassen zu müssen. Die Offensive der Chiefs hatte mit noch 5 Minuten genügend Zeit, um erneut zu punkten. Der nächste enorme Raumgewinn der Chiefs erfolgte bald darauf durch einen butterweichen Pass von Mahomes auf Sammy Watkins. Damien Williams erzielte mit einem 5 Yard-Catch den Touchdown zur 24:20-Führung. Mit 2:44 Minuten Restzeit waren die Chiefs plötzlich wieder obenauf.

Jetzt waren die 49ers gefordert, aber die Defensive der Chiefs wuchs über sich hinaus und brachte 49ers-Quarterback Jimmy Garoppolo stark in Bedrängnis, sodass dessen Passgenauigkeit zu leiden hatte. Als die Chiefs wieder Ballbesitz hatten, erzielte Damien Williams per Lauf noch einen Touchdown zum 31:20. Drei Touchdowns im letzten Viertel eines Super Bowls waren bis dato noch keiner Mannschaft gelungen. Mahomes Miracle in Miami.

„Wie Denzel Washington“

50 Jahre oder 18.284 Tage waren seit dem letzten Super-Bowl-Sieg der Chiefs vergangen. Nach der historischen Leistung galten die Worte der Wertschätzung Cheftrainer Andy Reid, der bei den Spielern einen hohen Stellenwert genießt, und Patrick Mahomes. Teamkollege Tyrann Mathieu sagte: „Es ist wie Denzel Washington in einem Film zu sehen. Es ist wie LeBron James in den Playoffs. Er hat diesen Funken. Es sagt sehr viel aus, dass er noch so jung ist und dennoch das Selbstvertrauen findet, das zu machen, was er gegen so eine besondere Defense getan hat.“

„Er ist der magische Mahomes, Showtime-Mahomes. Er ist einfach er selbst, egal welches Szenario ansteht. Und wisst ihr was? Ich liebe ihn“, sagte Travis Kelce.

Tyreek Hill, der im Sommer als Sprinter über die 100 Meter zu den Olympischen Spielen will, schilderte, wie der 10:20-Zwischenstand dem Team auf die Stimmung schlug. „Alle ließen den Kopf hängen, inklusive mir. Ich dachte: Wie sollen wir uns da noch rausziehen?“ Hill haderte, aber Patrick Mahomes verströmte Zuversicht. „Kurz vor Schluss hat mir Patrick in die Augen geschaut und auf mich eingetrommelt: Hey, Nummer 10, du musst an dich glauben, Bruder! Wir gewinnen noch. Du wirst es sehen. Ich fühle es.“

Die Tatsache, dass Mahomes sich von seinen zwei Interceptions keinesfalls verunsichern ließ und im vierten Viertel vor Spielfreude glühte, als wäre nichts gewesen, als hätten ihm die Hiebe der 49ers-Verteidiger nicht zugesetzt, ist kaum hoch genug zu bewerten. Obendrein wurde er zum wertvollsten Spieler des Super Bowls gewählt. Mahomes gab die Lorbeeren in aller Bescheidenheit nach dem Spiel an seine Mitspieler weiter: „Es ist so eine Ehre für ein Team zu spielen, das niemals aufgibt. Das ist es, was uns ausmacht.“

Wille, Entschlossenheit und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sind die Attribute, die Mahomes auf dem Feld auszeichnen. Wenn er aber mal nicht den vergitterten Helm und das Trikot mit der Nummer 15 trägt, gilt der 24-Jährige als höflich und zurückhaltend. Offensive Tackle Mitchell Schwartz, der Quarterback-Beschützer, sagte einmal: „Er ist einfach ein ganz normaler Typ, der zufällig auch noch der Beste der Welt auf der wichtigsten Position im Sport ist.“

Im Jahr 2013 hatte Mahomes auf Twitter geschrieben, es fühle sich sicher großartig an, der Quarterback zu sein, der nach dem Gewinn des Super Bowls „Ich gehe nach Disney World“ sagen kann. Genau das waren seine ersten Worte bei der Pokalübergabe.

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