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NFL: Ex-Immobilienmakler lässt Monsters of Midway wiederaufleben

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Ein ehemaliger Immobilienmakler hat den Umschwung eingeläutet. Zum ersten Mal seit 2010 haben die Chicago Bears die Playoffs erreicht. Besonders die Verteidigung weckt Erinnerungen an die 1980er Jahre. 

Den Spitznamen „Monsters of Midway“ erhielten die Chicago Bears nicht ohne Grund. Mitte der 1980er Jahre war die aggressive Verteidigung der Bears die beste der National Football League (NFL). Gegnerischen Quarterbacks zitterten die Knie, wenn sie ihnen gegenüberstanden. Ihren Höhepunkt erreichten die Bears 1985/1986: Mit ihren Gegnern in den Playoffs machten sie kurzen Prozess. Mit 21:0 wurden die New York Giants ausgeschaltet, die Los Angeles Rams erlitten beim 24:0-Sieg der Bears ein ähnliches Schicksal. Bereits vor dem Finale der NFL, dem Super Bowl, feierten Chicagos Spieler angeblich in der Kabine. Aber einen Gang rausnehmen? Das kam nicht infrage. Die Bears gewannen mit 46:10 eine über 60 Minuten lang einseitige Partie.

In ihrer Geschichte hatten die Bears häufig großartige Defensiven, die Furcht und Schrecken verbreiteten. Auf die offensive Seite legte man weniger Wert, meist stand ein durchschnittlicher Quarterback zur Verfügung. Die laufende Saison steht sinnbildlich dafür.

Trainingsanzug statt Makler-Outfit

Als Matt Nagy vor der Saison als Trainer angeheuert wurde, hatten wenige Experten die Bears als Playoff-Team auf dem Zettel, da sie in der Vorsaison nur fünf Siege holten. Doch Nagy hat die Kritiker widerlegt. Mit 12 Siegen und nur vier Niederlagen haben die Bears eine unerwartete Wende durchgemacht, und stellen die drittbeste Mannschaft der NFC-Konferenz. Nur die New Orleans Saints und die Los Angeles Rams sind etwas besser platziert.

Dank des Erfolgs gilt Nagy als Kandidat für die Auszeichnung zum „Trainer des Jahres“. Seine Karriere hin zum Football-Coach ist eine Geschichte für sich: Vor zehn Jahren verdiente Nagy sein Geld noch als Immobilienmakler, dann tauschte er Krawatte und Lackschuh für den Trainingsanzug.

2008 begann er ein Praktikum im Trainerstab bei den Philadelphia Eagles. Als sich der dritte Quarterback verletzte, half er plötzlich als Spieler aus, da er früher an der University of Delaware und sechs Jahre im Hallen-Football als Quarterback gespielt hatte. Nagys Job beschränkte sich darauf, Sparringspartner für die beiden ersten Quarterbacks zu sein, zum Einsatz kam er nicht. Doch Trainer Andy Reid imponierten Nagys Fähigkeiten als Motivator, und er gab ihm eine Assistenzstelle.

Zehn Jahre später ist Nagy für das gesamte Kollektiv der Chicago Bears verantwortlich, für die Spielzüge, die Teamführung, die Kabinenpredigt und den Trainerstab. Nagy, der in Philadelphia und bei den Kansas City Chiefs jeweils unter Reid in diversen Assistenzpositionen arbeitete, hat jetzt deutlich mehr Verantwortung. Dieser wird der 40-Jährige gerecht.

Die beste Verteidigung der NFL

In der modernen NFL verhalten sich die Bears antizyklisch. Teams wie Kansas City oder New Orleans dominieren in diesem Jahr mit vertikalen Offensivsystemen, mutigen Trainern und Quarterbacks, die Zauberpässe servieren und ihre Gegner sezieren wie Gerichtsmediziner im Tatort. Die Bears allerdings werden von ihrer Defensive getragen. Als Matt Nagy kam, tauschte er viele Assistenten aus – nur Defensivtrainer Vic Fangio nicht. Schon in der letzten Saison hatten die Bears eine gute Verteidigung, aber in dieser Saison hat diese den nächsten Schritt gemacht und sich zur Nummer eins der Liga aufgeschwungen.

Angeführt wird die Verteidigung von Khalil Mack, einem starken und schnellem Quarterback-Jäger. Im Gegenzug für Draftpicks erhielten die Bears Mack von den Oakland Raiders erst wenige Tage vor Saisonstart. Das Linebacker-Duo Roquan Smith und Danny Trevathan ist eines der athletischsten der NFL. In der Passverteidigung glänzen Kyle Fuller und Eddie Jackson. Die Passverteidiger profitieren von den Pass-Rushern – und umgekehrt. In 16 Spielen fingen die Bears 27 Mal den Ball ab (Ligaspitze), 50 Mal rissen sie den Quarterback für Raumverlust zu Boden (der drittbeste Wert). So hat Nagy und Fangio die „Monsters of the Midway“ wiederaufleben lassen.

Quarterback Trubisky bereitet Sorgen

Während es die Defensive inzwischen mit jedem Gegner aufnehmen kann, lässt sich selbiges auf der anderen Seite des Balls nicht behaupten. Quarterback Mitchell Trubisky ist erst in seinem zweiten NFL-Jahr, nicht der sicherste Passgeber und liest das Feld manchmal falsch. Nagy hat Erfolg damit, Trubiskys Schwächen zu kaschieren, und auf ihn abgestimmte Spielzüge einzubauen. Allerdings warten in den Playoffs andere Kaliber, die Trubisky auf die Probe stellen werden.

In der Wildcard-Round spielt Chicago zunächst gegen die Philadelphia Eagles (Sonntag, 22.40 Uhr, ProSieben), den amtierenden Super-Bowl-Sieger. Doch Chicago ist Favorit, so schnell kann es gehen in dieser Liga. Mit Blick auf seine Berufslaufbahn dürfte Matt Nagy dieser Aussage zustimmen.

 

 

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