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NFL Draft 2021: Top-Talente 21-30

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21. Azeez Ojulari (Edge-Rusher, Georgia)

Azeez Ojulari wird erst Mitte Juni 21 Jahre alt. Jaelan Phillips und Kwity Paye sind weiter in der Entwicklung als er, doch Ojularis Anlagen und das damit verbundene Potential sind reizvoll für NFL-Teams. Bei Georgia agierte er als Edge-Rusher aus einem Two-, Three- und Four-Point-Stance. Ojulari kann mit seiner Schnelligkeit sowohl inside als auch outside gewinnen. Er macht wenige, aber dafür raumgreifende Schritte und hat einen fantastischen Closing Speed. Im Pass Rush profitiert er davon, dass er sich über außen kommend exzellent um Offensive Tackles herum winden kann.

Azeez Ojulari hat eine gute Balance und ist handlungschnell. Vorteilhaft für ihn sind seine langen Arme, für einen Edge-Rusher ist er jedoch unterdurchschnittlich groß und schwer. In der Run-Defense hat er Probleme dabei, um Seal-Off-Blocks herumzukommen. Die Schnelligkeit ist das Fundament seines Spiels, für noch größeren Erfolg sollte er allerdings seine Kraft auf ein neues Level heben. Sein Bull Rush ist noch nicht druckvoll genug. Des weiteren sollte er sein Arsenal an Pass-Rush-Moves erweitern und lernen, noch besser Plays zu finishen.

22. Dyami Brown (Wide Receiver, North Carolina)

Ein vertikaler Deep Threat, der bei North Carolina viele Go- und Post-Routes gelaufen ist. Bei diesen verschafft sich Dyami Brown nicht übermäßig viel, aber genügend Separation. Er bringt eine gute Physis mit, hat ein gutes Ball-Tracking und besitzt sichere Hände – besonders bei Pässen mit hoher Flugbahn. Am College verzeichnete er fast 20 Yards pro Catch. Ein weiterer Beleg dafür, dass seine Stärken im Deep Passing Game zum Vorschein kommen. Er hat einen schnellen Release, ist aber kein Speedster der Marke Tyreek Hill (Kansas City Chiefs), Brandin Cooks (Houston Texans) oder Will Fuller (Miami Dolphins).

Dyami Brown kreiert Separation durch subtile Cuts und dank seiner beweglichen Hüften. Außerdem müssen Gegenspieler immer mit einem tiefen Pass auf Brown rechnen. Daher waren seine Curl-Routes am College wirkungsvoll. Wenn Brown angespielt wird, hilft er seinem Quarterback, indem er zu ihm zurückläuft. Er ist ein williger und ordentlicher Blocker. Am College war sein Route-Tree limitiert. Gegen Press Coverage hatte der 21-Jährige bisweilen Probleme, auch wenn er bei North Carolina kaum mit Press Coverage konfrontiert war. In einzelnen Fällen ließ er fangbare Pässe fallen. Darüber hinaus ist er kein Receiver, der sonderlich viele Yards after Catch zustande bringt.

23. Payton Turner (Edge-Rusher, Houston)

Groß, schwer und sehr lange Arme. Payton Turner verkörpert den Prototyp eines Edge-Rushers. Doch nicht nur seine Phyis erweist sich als Trumpf, sondern auch seine erstaunliche Leichtfüßigkeit und Explosivität. Sein Get Off erfolgt rasch. Im Pass Rush überzeugt Turner als geschmeidiger Edge-Bender, dabei zeigen sich seine flexiblen Hüften und Knöchel. Er setzt Offensive Tackles auch mit gewaltiger Power unter Druck. Der 22-Jährige hat sich eine große Auswahl an Pass-Rush-Moves angeignet.

Dank seiner Statur könnte Payton Turner womöglich auch als One-Gapping-Defensive-Tackle eingesetzt werden, seine langen Arme ermöglichen ihm eine außerordentliche Reichweite im Tackling. Die Füße sind konstant in Bewegung, sein unermüdlicher Einsatz ist positiv hervorzuheben. Turner reißt seine Arme hoch, wenn er nicht zum Quarterback kommt und hat dadurch bei Houston viele Pässe abgefälscht. Mitunter spielt er noch zu aufrecht. In der vergangenen Saison hat Turner nur fünf Spiele bestritten, weshalb er nicht so leicht zu evaluieren ist.

24. D’Wayne Eskridge (Wide Receiver, Western Michigan)

Ein weiterer kleiner, schneller und agiler Receiver dieses Drafts. D’Wayne Eskridge misst gerade einmal 1,74 Meter, vor zwei Jahrzehnten wäre seine Größe in der NFL als gravierendes Handicap aufgefasst worden. Inzwischen hat sich die Sicht der Dinge geändert, was unter anderem an den erfolgreichen Chiefs-Passempfängern Tyreek Hill und Mecole Hardman liegt (beide sind jeweils 1,78 Meter). Zwar hat Eskridge nicht auf höchstem College-Level gespielt, seine Konkurrenz hingegen hat der bereits 24-Jährige regelmäßig alt aussehen lassen. Für Western Michigan half er vier Spiele lang als Cornerback aus, wovon er als NFL-Receiver sicherlich profitieren dürfte.

D’Wayne Eskridge ist äußerst schnell und explosiv. Auf seinem Pro Day lief er die 40 Yards in 4,38 Sekunden (handgestoppt). In der High School wurde er zum Mr. Track and Field des Bundesstaats Indiana gewählt. Er beschleunigt blitzartig und kann sein Tempo in Sekundenbruchteilen stoppen. Eskridge ist agil, macht Yards after Catch und hat Körpertäuschungen im Repertoire. Er setzt scharfe Cuts und kreiert reichlich Separation in seinen Routes. In Man Coverage war er kaum zu verteidigen, was auch beim Senior Bowl zu sehen war. Eskridge kann auch physisch dagegenhalten, immerhin bringt er 86 Kilogramm auf die Waage. Zumindest bei Western Michigan agierte er auch als Possession-Outside-Receiver und bewies gute Körperkontrolle in der Luft. Ob diese Rolle ihm in der NFL vergönnt sein wird, bleibt abzuwarten. Im Slot sollte Eskridge aber sofort in seinem Rookie-Jahr einem Team weiterhelfen können.

25. Kadarius Toney (Wide Receiver, Florida)

Ähnlich schwer wie D’Wayne Eskridge, dafür ist er mit 1,82 Meter acht Zentimeter größer. Kadarius Toney war bei den Florida Gators ein produktiver Slot-Receiver. Seine athletischen Fähigkeiten sind selbst für Laien sichtbar. Auf seinem Pro Day überbrückte er die 40 Yards wie Eskridge ebenfalls in 4,38 Sekunden. Toney ist sehr beweglich, schnell, antrittstark und hat elastische Hüften. Auch bei End Arounds wurde er erfolgreich eingesetzt. Der 22-Jährige bricht viele Tackles und produziert eine enorme Menge an Yards after Catch. Er ist schwer zu greifen und ziemlich resistent gegen gegnerische Tacklingversuche.

Kadarius Toney ist ein kreativer und trickreicher Spieler. Er nutzt Spin Moves (Drehungen) und kann sein hohes Grundtempo auch variieren und bewusst verzögern. Als Route-Runner muss er konstanter werden, aber das Potential ist zweifellos da. Manchmal gerät er aus der Balance und strauchelt über seine Füße. Wenn ein Tackler sich in seiner Umgebung ankündigt, gleiten ihm manchmal fangbare Bälle durch die Hände. Beim Senior Bowl hatte er auch ein paar Drops, andererseits hat er bei Florida auch inakkurate Bälle gefangen. Als Blocker ist Toney noch zu häufig überfordert.

26. Patrick Surtain II (Cornerback, Alabama)

Ein großer, ziemlich schwerer Passverteidiger, der bei Alabama viel Press-Man-Coverage-Erfahrung gesammelt hat. Wie der Vater von Jaycee Horn spielte auch sein Papa Patrick Surtain auch in der NFL (Cornerback bei den Miami Doplhins und Kansas City Chiefs). Patrick Surtain II ist sprungkräftig, hat Ballskills und teilweise auf spektakuläre Weise Interceptions eingesammelt. Abgesehen davon ist sein Spiel nicht wirklich spektakulär. Bei Matchups gegen sehr schnelle und wendige Receiver fehlt es ihm an Geschwindigkeit und Agilität. Auch wenn er selten im Eins-gegen-Eins geschlagen wird, wird er in der NFL athletisch an Grenzen stoßen.

Nichtsdestotrotz sollte Patrick Surtain II jedem NFL-Team eine gewisse Baseline geben. Er erkennt Route-Kombinationen, liest Screen-Plays korrekt und antizipiert Bewegungen gegnerischer Receiver. Der 21-Jährige spielt kontrolliert und ohne Panik. An der Line of Scrimmage nutzt er gelegentlich einen sogennanten Fake Jam, mit dem er den Receiver unter Umständen aus dem Konzept bringt. Er ist ein zuverlässiger Open-Field-Tackler.

27. Greg Newsome II (Cornerback, Northwestern)

Der nächste 4,38 Sekunden-Läufer über 40 Yards beim Pro Day. Greg Newsome II ist ein durchschnittlich großer und schwerer Cornerback mit Agilität, guter Fußbarbeit und Balance. Er ist schnell, aber nicht extrem schnell. Die 4,38 Sekunden über 40 Yards wirkten daher wie eine kleine Überraschung. Seine größte Stärke ist wohl seine Beweglichkeit. Sein Backpedal ist flüssig, in Transition dreht Newsome rasch seine Hüften, Richtungswechsel gelingen ihm spielend.

2020 ließ Greg Newsome II nur 12 Catches bei 34 Targets zu. Er attackiert den Catch Point und besitzt gute Ballskills. Er kann sowohl Man Coverage als auch Zone Coverage spielen. Newsome hat ein gutes Raumgefühl und liest Spielzüge schnell. Im Running Game wird er noch zu leicht weggeblockt. Gegen physische Receiver könnte Newsome in der NFL vor Probleme gestellt werden.

28. Alijah Vera-Tucker (Interior Offensive Line, USC)

Bei USC spielte Alijah Vera-Tucker auch als Offensive Tackle. In der NFL dürfte er vermutlich nur als Guard auflaufen, da seine Armlänge mit 32 ⅛ Inches zu gering ist. Vera-Tucker spielt ungemein kontrolliert und hat eine ausgezeichnete Übersicht. Er lässt sich nicht durch Stunts oder Blitzer überraschen. Er ist ausbalanciert und setzt seinen Körper und seine Hände geschickt ein, auch wenn sein Anchor noch standhafter sein könnte. Beim Blocken von Gegenspielern nimmt er optimale Winkel, gut bewegt er sich auf Second Level im Run Game.

Alijah Vera-Tucker besitzt eine solide Mobilität; er hat schnelle Füße, ist aber hinsichtlich seiner Schnelligkeit limitiert. Bei anfliegenden Gap-Shootern muss er noch schneller und konsequenter entscheiden, welchen Gegenspieler er blockt. Ab und zu nimmt er in Pass Protection für einen Moment seinen Kopf runter und blickt nicht direkt auf den Gegenspieler, den er blockt.

29. Kelvin Joseph (Cornerback, Kentucky)

Ein sehr schneller, beweglicher Cornerback mit wendigen Hüften. Kelvin Joseph ist ein aggressiver Passverteidiger, der für Big Plays gut ist. 2020 kam er in nur neun Spielen auf vier Interceptions. Joseph besitzt exzellente Ballskills und hat ein gutes Timing bei der Passabwehr. Dank seiner Größe von 1,85 Metern und Physis an der Line off Scrimmage ist er ein legitimer Outside-Cornerback in der NFL, vereinzelt wurde er bei Kentucky auch im Slot aufgestellt. Gegen Alabama machte Joseph ein hervorragendes Spiel: Als er bei einem Spielzug Heisman-Trophy-Winner DeVonta Smith deckte, fing er den Pass von Quarterback Mac Jones in der eigenen Endzone ab. Bei einer Slant-Route des flinken John Metchie III gelang Joseph ein Pass-Breakup.

Kelvin Joseph diagnostiziert Spielzüge schnell und löst sich gut von Blocks in der Run-Defense. Der erst 21-Jährige hat nicht die größte Erfahrung, bei Kentucky startete er erst in seinem letzten College-Jahr. Seine Play-Recognition muss noch besser werden, beispielsweise reagiert er auf Read Options noch zu langsam.

30. Mac Jones (Quarterback, Alabama)

4500 Yards, 41 Touchdowns und nur vier Interceptions zeugen von der Aufsehen erregenden Saison, die Mac Jones 2020 als Starter für Alabama absolvierte. Zwar hatte er großartige Receiver um sich und eine gute Offensive Line, allerdings war Jones mehr als ein Game-Manager. Statistisch war er sogar besser als Tua Tagovailoa, der vor einem Jahr an Position fünf von den Miami Dolphins gedraftet wurde. Jones‘ Präzision, insbesondere im vertikalen Passspiel, war eine seiner großen Stärken in der vergangenen Spielzeit. Fehlende Armstärke gleicht Jones mit Timing und Touch aus. Er kennt seine Stärken und Schwächen, etwa die eingeschränkte Mobilität und die geringe Improvisationsfähigkeit, wenn ein Spielzug zusammenbricht.

Mac Jones hat nicht die rundeste, harmonischste Wurfbewegegung, wird den Ball aber zumindest schnell los. Er geht akribisch und sehr schnell durch seine Reads, was NFL-Coches mögen werden. Wenn er allerdings mal zu lange mit seinen Reads braucht, kann er angesichts fehlender Armstärke dieses Manko nicht mehr ausgleichen. Trotz athletischer Limitierungen bewegt er sich überraschenderweise gut und clever in der Pocket und weicht geistesgegenwärtig Pass Rushern aus. Zweifel bestehen bei ihm hinsichtlich der Tatsache, dass er kaum in enge Passfenster werfen musste.

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