American Football

NFL: Tampa bläst mit neuer Strategie zur Attacke

In der Nationalen Football Liga (NFL) schickt sich ein Team an, die Kräfteverhältnisse in ihrer Division auf den Kopf zu stellen. Die Tampa Bay Buccaneers, die in ihrer Vereinsgeschichte immer für harte und erfolgreiche Verteidigung standen, richten sich vor Saisonbeginn neu aus. Mit besseren Offensivspielern sollen endlich wieder die Playoffs erreicht werden. 

Die Buccaneers, seit mehr als 40 Jahren Mitglied der NFL und beheimatet in der wunderschönen Bucht von Tampa, waren lange Zeit der Inbegriff für Erfolglosigkeit. Die ersten 26 Spiele nach dem Eintritt in die beste American Football Liga der Welt gingen allesamt verloren. Viel Häme und Spott begleitete die Einwohner der Region Tampa Bay, die an der Westküste Floridas 2,8 Millionen Menschen ein Zuhause bietet. Witze über das Vereinswappen, das einen mehr oder weniger furchterregend wirkenden Piraten mit einem Messer zwischen den Zähnen zeigte, waren in ganz USA gängig.

Es haftete solch ein Verlierer-Image an dieser Franchise, dass nach dem allerersten Sieg in der Vereinsgeschichte, das unterlegene gegnerische Team sogar seinen Trainer feuerte. Mit dem Begriff Buccaneer, der als Synonym für Freibeuter und Piraten verwendet wird, hatten die Footballspieler wenig zu tun. Angst einflößend kamen die Tampa Bay Buccaneers nicht daher. Für die Gegner war es damals ein Leichtes, im Stadion der Buccaneers Spuren zu hinterlassen und einen Auswärtssieg zu kapern. Erst mit dem Verkauf des damaligen Besitzers an die Glazer-Familie änderte sich die Situation.

US-Investoren bringen den Umschwung

Diese US-amerikanische Investorenfamilie nahm viel Geld in die Hand, trieb einen Stadionneubau voran und schraubte sofort am Image der „Bucs“. Der grimmige Pirat wurde durch ein Freibeuterschiff ersetzt. Die Trikotfarbe wechselte von orange-weiß in rot, weiß und zinnfarben. Viele Fans des Fußballklubs Manchester United erschaudern beim Namen Glazer. Der inzwischen gestorbene Vater Malcom Glazer und seine Söhne, die nachfolgenden Eigentümer des Premier League Klubs, sahen sich immer dem Vorwurf der Ausbeutung ausgesetzt. Sie verständen nichts vom Fußball. Und noch viel schlimmer: Sie bereicherten sich eher selbst als die Interessen von Manchester United zu verfolgen.

Für Tampa Bay-Fans war die Übernahme der Glazers aber wie eine Erlösung. Mit den neuen optischen und infrastrukturellen Umstellungen, ging ebenfalls ein sportlicher Fortschritt einher. Mit Tony Dungy engagierten die drei Glazer-Brüder einen neuen Trainer. Der hatte zwar nicht von Beginn an Erfolg, doch erste Verbesserungen auf dem Feld waren bald sichtbar.

Er errichtete ein gefürchtetes Verteidigungssystem namens „Tampa 2“, das schnell von vielen anderen NFL-Mannschaften kopiert wurde. So erfolgreich wie die Buccaneers agierte aber keiner der Nachahmer damit. 1998 war das neue Raymond James Stadion fertig. Eine Attraktion, besonders für Kinder, ist seitdem ein Nachbau eines Piratenschiffs als zusätzliche Tribüne. Sobald die Buccaneers in Heimspielen Punkte erzielen, schießen aus dem Kanonenrohr des Schiffs Kugeln hervor.

Trotz eines Einzugs in das NFL Championship Game 1999 – der Superbowl war in greifbare Nähe gerückt – wurde Dungy zwei Jahre später entlassen. Die neue Trainersuche gestaltete sich allerdings kompliziert. General Manager Rich McKay präferierte einen anderen Übungsleiter als die Glazer-Brüder. Letztlich überstimmten Edward, Joel und Bryan Glazer den General Manager. Ihre Wahl fiel auf den Trainer der Oakland Raiders Jon Gruden. Der Preis war mit vier Draftpicks, die im Gegenzug nach Kaliforniern wanderten, groß. Was die Besitzer da noch nicht wussten: Sie würden Geschichte schreiben – nur ein Jahr danach.

Glücksgriff Gruden

Gruden drehte prompt jeden Stein in Tampa Bay um, er tauschte die halbe Offensive aus und konnte weiterhin auf eine der besten Verteidigungsreihen der NFL vertrauen. Gleich in seiner ersten Saison erklommen die Buccaneers den Höhepunkt in ihrer Vereinsgeschichte. Im sogenannten „Pirate Bowl“ 2002 gegen die Oakland Raiders, Grudens ehemalige Schützlinge, gelang Tampa ein überlegener 48:21-Sieg.

Gruden blieb noch bis 2008 der Trainer in Tampa Bay, bis auf zwei weitere Divisionstitel, konnte aber weder er noch einer seiner Nachfolger an den Erfolg anknüpfen. Die Ursache darin, lag eher an der mangelnden Offensivkraft als an der Verteidigung, die ihrerseits etwa elf Jahre in Folge unter den Top-10 der Liga vertreten war. Die Tampa Bay Buccaneers definierten sich immer über eine defensive Identität, geprägt von starkem Druck auf den gegnerischen Quarterback, aufmerksamen Linebackern und Passverteidigern, die Ballverluste erzwangen.

Noch bessere Anspielmöglichkeiten für Winston

Heute sieht die Sache anders aus. Defensiv waren die „Bucs“ in der letzten Saison nur Mittelmaß, in der Offensive gehören sie seit kurzem aber zu den heißeren Teams der NFL. Mit Quarterback Jameis Winston lenkt ein 23-jähriger die Offensive. In seinen ersten beiden Jahren warf er jeweils über 4000 Yards, starke Marken für einen Neuling. An seine Seite wurden ihm in dieser Offseason schnelle Passfänger gestellt. DeSean Jackson ist einer der flinkesten Spieler und das nicht nur in seinen Mannschaften.

Winston verglich Jackson folgendermaßen: „Er ist wie ein Bentley mit einem Ferrari-Motor.“ Der 30-jährige ist erfahren, bekam im Frühjahr einen Dreijahresvertrag und bildet mit Mike Evans nun eines der gefährlichsten Receiver-Duos. Der 1,96 Meter lange Evans hatte mit 1321 Yards die viertmeisten der gesamten Liga. Für eine Überraschung sorgte im Draft O.J. Howard. Der Tight End galt im Draft als Top-10 Spieler, fiel aber bis auf Position 19, wo die Buccaneers zuschlugen. In diesem Draft setzten einige Teams ihre Hoffnungen auf Quarterback-Talente und so vergaßen sie die talentierteren Spieler, zu denen Howard sicher zählen dürfte. Der Absolvent der Alabama University ist schnell, physisch, gut als Blocker aber auch ein erfolgreicher Passfänger.

Doug Martin muss liefern

Jeremy McNichols verstärkt den Konkurrenzkampf auf der Running Back-Position, auf der Doug Martin nach einem verpatzen Jahr seine vermutlich letzte Chance bekommt. Seine Drogen- und Gewichtsprobleme scheint er überwunden zu haben, im Training hinterlässt er bislang einen explosiven Eindruck. Die ersten 3 Spiele muss die Mannschaft aber ohne ihn auskommen, weil Martin eine Sperre absitzt. Wie die Tampa Bay Times berichtet ist die Sperre vielleicht gar nicht so wild, denn „Die Bucs laufen fortan nicht mehr wie kalter Honig. McNichols kann fliegen.“

Als erfahrener Ersatz für Winston kam Ryan Fitzpatrick von den New York Jets. Ein solide Verpflichtung, wenn sich dieser auf seine Stärken besinnt und nicht überdreht. Cameron Brate war im Vorjahr mit 600 Yards ein unerwarteter Durchstarter, jetzt wird er im Gespann mit O.J. Howard noch schwerer zu verteidigen sein. Mit Evans einen der besten Receiver, mit Jackson einen der schnellsten, mit Howard einen der talentiertesten Tight Ends und mit Brate einen der letztes Jahr seinen Durchbruch feierte. Das klingt nach Feuerkraft wie aus einer Piraten-Kanone.

Ein Deutscher ist der Sparringspartner

Die Verteidigung dominierte in der Vorsaison nicht wirklich, je näher Tampa Bay dem Saisonende kam, desto eingespielter präsentierte sich die Defensive allerdings. Linebacker Kwon Alexander hatte die viertmeisten Tackles der NFL. Defensive Tackle Gerald McCoy ist nach wie vor einer der Lichtblicke. Mit J.J. Wilcox und Justin Evans kamen solide Safeties zu den Buccaneers. Sogar ein Deutscher aus Aschaffenburg befindet sich zumindest im Dunstkreis des Kaders. Eric Nzeocha, ein Linebacker, darf im Training mit den Stars seine Qualitäten zur Schau stellen.

Dass Gegner früher wegen ihrer galligen Verteidigung nicht gern nach Tampa Bay kamen, ist heute nicht mehr der Fall. Die Offensive hat sich zum entscheidenden Faktor herauskristallisiert. Ob die Saison erfolgreich endet, hängt zu einem großen Teil an Winston, Evans, Howard, Jackson und Co. Und auch von der Offensive Line, die dem Quarterback möglichst viel Zeit für seine Pässe verschaffen sollte. Im letzten Jahr gewannen die Buccaneers 9 von 16 Saisonspielen, was für die Playoffs nicht reichte.

Doch in diesem Jahr soll die Saison im Januar noch weitergehen, auch wenn die Kontrahenten da mitreden wollen. Die Carolina Panthers wollen die miese Vorsaison vergessen machen, die New Orleans Saints mit Drew Brees wirken bereit und die Atlanta Falcons drängen nach der schmerzlichen Superbowl-Niederlage nun auf den Thron. Tampa Bay muss sich aber vor keinem Team verstecken. Bei der TV-Serie „Hard Knocks“, die in diesem Jahr die Buccaneers in ihrer Saisonvorbereitung begleitet, können sie sich selbst ein Bild davon machen, ob Tampa Bay wirklich eines der heißesten Teams der kommenden Saison ist.

Gruden blieb noch bis 2008 der Trainer in Tampa Bay, bis auf zwei weitere Divisionstitel, konnte aber weder er noch einer seiner Nachfolger anknüpfen. Die Ursache darin, lag eher an der mangelnden Offensivkraft als auf der Verteidigung, die ihrerseits etwa elf Jahre in Folge unter den Top-10 der Liga vertreten war. Die Tampa Bay Buccaneers definierten sich immer über eine defensive Identität, geprägt von starkem Druck auf den gegnerischen Quarterback, aufmerksamen Linebackern und Passverteidigern, die Ballverluste erzwangen.

Im Hier und Jetzt sieht die Sache ein wenig anders aus. Defensiv waren die „Bucs“ in der letzten Saison nur Mittelmaß, in der Offensive gehören sie fortan zu den heißesten Teams der NFL. Mit Quarterback Jameis Winston lenkt ein 23-jähriger die Offensive. In seinen ersten beiden Jahren warf er jeweils über 4000 Yards, starke Marken für einen Neuling. An seine Seite wurden ihm in dieser Offseason zudem schnelle Waffen gestellt. DeSean Jackson ist einer der schnellsten Spieler und das nicht nur in seinen Mannschaften. Der 30-jährige ist erfahren, bekam im Frühjahr einen Mehrjahresvertrag und bildet mit Mike Evans nun eines der gefährlichsten Ballfänger-Duos. Für Verwunderung sorgte im Draft O.J. Howard. Der Tight End galt im Draft als Top-10 Spieler, fiel aber bis auf Position 19, wo die Buccaneers zuschlugen und sich jetzt ins Fäustchen lachen. In diesem Draft setzten einige Teams ihre Hoffnungen auf Quarterback-Talente und so vergaßen sie die talentierteren Spieler, zu denen Howard sicher zählen dürfte, vorher auszuwählen. Der Absolvent der                 University ist schnell, gut als Blocker aber auch ein erfolgreicher Ballfänger. Jeremy McNichols verstärkt den Konkurrenzkampf auf der Running Back-Position, wo Doug Martin seine vermutlich letzten Chance bekommt. Als erfahrener Ersatz für Winston kam Ryan Fitzpatrick von den New York Jets. Ein solide Verpflichtung, wenn er sich auf seine Stärken besinnt und nicht wie im letzten Jahr verrückte Pässe wirft. Cameron Brate hatte im Vorjahr sein Breakout-Jahr.

Mit Evans einen der besten Receiver, mit Jackson einen der schnellsten, mit Howard einen der talentiertesten Tight Ends und Brate, einer der letztes Jahr seinen Durchbruch feierte. Das klingt amtlich.

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