Basketball

NBA Draft 2017: Die goldene Zukunft in Philadelphia und Minnesota, ein Jediritter und ein größenwahnsinniger Vater

Für viele junge Basketballer wird am Draft Day der NBA ein Traum wahr. 60 Spieler haben jährlich die Chance, in der besten Liga der Welt Fuß fassen zu können. Ein paar Spieler werden nicht eine Spielminute sehen, andere werden schon in ihren jungen Jahren zum Gesicht des Vereins erklärt, auf deren Schultern manchmal der Druck einer ganzen Stadt lastet.

Im Internet kursieren unzählige Prognosen, in denen alle Spieler, die sich zum Draft angemeldet haben, hinsichtlich ihres Potenzials bewertet werden. Alle Teams spielen jedes mögliche Szenario durch. Für den Fall, dass der Wunschspieler schon zu einem früheren Zeitpunkt vom Rivalen ausgewählt wird, sind Alternativen nötig. Man will für alles gewappnet sein. Denn am Ende kommt es oft anders, wie etwa 2015, als die New York Knicks an vierter Position den 2,21 Meter Schlaks Kristaps Porzingis ausgewählt hatten, der vorher in Sevilla gespielt hat und in den USA unter dem Radar geflogen ist.

Die Fans der New Yorker hatten diese Entscheidung prompt mit Pfiffen quittiert. Sie hätten viel lieber einen amerikanischen Collegespieler bejubelt, einer der in den Staaten schon mit 18 oder 19 ein Star ist. Heute steht der Lette für Hoffnung. Er hat sich in nur zwei Jahren zu einem der vielversprechendsten Talente der Welt entwickelt, New York liegt ihm zu Füßen. Beim gestrigen Draft im Barclays Center, der Heimstätte des Lokalrivalen Brooklyn Nets, tragen etliche Knicks-Fans in der Halle Trikots mit der Nummer fünf – der Nummer von Porzingis.

Knicks-Präsident Phil Jackson darf diese Treuebekentnisse gerne als Warnung verstehen. Jackson gedenkt nämlich Porzingis in einen Trade zu involvieren, um im Gegenzug von den Boston Celtics einige gestandene Spieler sowie Draftpicks zu bekommen. Doch für die Fans ist Porzingis die Zukunft, ein Geschenk und einer der wenigen Lichtblicke in einer chaotischen und strukturlosen Franchise, deren spielerisches Potenzial mit Porzingis steht und fällt.

Der Draft 2017 hat aber seine ganz eigene Geschichte geschrieben. In diesem Jahr war besonders die Talentdichte bei den Point Guards, also den Spielern die die Offensive einer Mannschaft organisieren, sehr hoch. Alle 60 Draftpicks in puncto Stärken und Schwächen zu analysieren wäre vermessen, eine komprimierte Übersicht soll ihnen aber dabei helfen, das Wichtigste und ein paar Randgeschichten rund um den NBA Draft nachzuvollziehen.

Der talentierteste Spieler:

Bereits einige Tage vor dem Draft haben die Boston Celtics entschieden die Draftrechte am ersten Pick an die Philadelphia 76ers abzugeben. Dafür hat Boston den dritten Pick der 76ers und zusätzlich einen Erstrundenpick im Jahr 2018 oder 2019 bekommen. Häufig kam es in der Vergangenheit nicht vor, dass ein Team den Top-Pick tauscht. Boston jedoch hatte gehofft, ihren Wunschspieler Jayson Tatum auch noch an Position drei zu ziehen – das gelang.

Für Philadelphia sind dagegen die Zeiten im Niemandsland der NBA wohl gezählt. Mit Markelle Fultz haben sie sich den wahrscheinlich talentiertesten Spieler im diesjährigen Draft gesichert. Der 19-jährige Point Guard ist schnell, mit gutem Drang zum Korb und starkem Dreipunktwurf ausgestattet. Sein Arsenal an technischen und athletischen Fähigkeiten passt gut in das System der Philadelphia 76ers, die mit Ben Simmons ebenfalls den an Position eins gewählten Spieler aus dem Vorjahr im Kader haben.

Fultz und Simmons können sich im Ballvortrag abwechseln und sorgen für mehr Variabilität und Unberechenbarkeit. Mit Joel Embiid und Dario Saric besitzt der Trainer Brett Brown zusätzlich zwei weitere Talente, die ihre NBA-Tauglichkeit schon bewiesen haben. Was zu Problemen führen kann, ist jedoch die Verletzungsanfälligkeit aller zukünftiger Stützen des Teams. Simmons ist seine gesamte erste Saison ausgefallen, Embiid hat seine ersten beiden Spielzeiten komplett ausgesetzt und in der letzten Saison ist der Afrikaner auch nur auf 31 Einsätze gekommen. Wenn die junge Truppe von Verletzungen verschont bleibt, ist eine Playoff-Teilnahme in der kommenden Saison nicht unrealistisch.

Gewinner des Tages:

Die Charlotte Hornets dürfen sich auf einen der besten Werfer in diesem Jahrgang freuen. Malik Monk, der sich selbst wunderte, dass er erst an 11.Stelle ausgewählt wurde, spielt zukünftig für das Team von Besitzer Michael Jordan. Der beste Basketballer aller Zeiten wird dem ehemaligen Kentucky Wildcat sicher auch einiges seiner Erfahrung mitgeben, unter anderem wie dieser sich noch am hinteren Ende des Feldes verbessern kann. Monk ist mit seinen 1,90 Metern nicht mit der optimalen Länge für einen Shooting Guard gesegnet, die athletischen Fertigkeiten für die Verteidigung bringt er trotzdem mit.

Verlierer des Tages: 

Im Vorfeld einer Saison von Verlieren zu sprechen, ist sicherlich gewagt. Niemand weiß schließlich, wie gut die jungen Talente werden, um die man buhlt, die man beim Probetraining unter die Lupe nimmt und letzten Endes auswählt. Das Geschäft der Chicago Bulls am Rande des Drafts mit den Minnesota Timberwolves scheint jedoch sehr abenteuerlich. Die Bulls schicken den dreimaligen Allstar Jimmy Butler in eine der kältesten Regionen der USA, während im Gegenzug Zach LaVine, Kris Dunn und ein Draftpick in die „Windy City“ wandern.

Jimmy Butler hat sich immer wieder mit den eigenen Teamkollegen und den Verantwortlichen angelegt. Er hat ein Reizklima geschaffen, seine spielerische Klasse ist aber unbestritten und der Gegenwert ist fraglich. LaVine kommt zwar fast spielend zum Dunking, ist ein Athlet, wie geschaffen für die NBA, sein zerbrechlicher Körper hingegen nicht – im Februar hat er einen Kreuzbandriss erlitten.

Kris Dunn steht vor seiner zweiten Spielzeit in der NBA, in der ersten konnte er die ohnehin geringen Erwartungen nicht erfüllen. Potenzial hat er aber, genau wie Lauri Markannen. Der Finne wurde an siebter Stelle von den Timberwolves gewählt, ist groß und kann von außen werfen, einen Jimmy Butler fängt keiner der drei auf, weder individuell noch im Kollektiv. Das lässt den Trade wie einen Fahrradunfall aussehen, mit einem klaren Verlierer – den Chicago Bulls.

Die Timberwolves haben sich mit dieser Transaktion vermutlich sofort ins Playoff-Rennen im Westen katapultiert. Butler, sowohl defensiv als auch offensiv eine Verstärkung, trifft auf einen jungen Kern um Karl Anthony-Towns und Andrew Wiggins. Die Wiedervereinigung mit seinem ehemaligen Trainer Tom Thibodeau dürfte sogar das schlechte Wetter auffangen. Und vielleicht scheint in Minnesota bald wieder die Sonne, wenn das Team zum ersten Mal seit 2004 die Playoffs erreicht.

Der Tag aus Sicht der Deutschen: 

Für die Familie, Freunde und Fans von Isaiah Hartenstein hat es es bis 5:40 Uhr deutscher Zeit gedauert, bis sie den Champagner ausschenken konnten. Der 19-jährige Deutsch-Amerikaner, der zuletzt für Zalgiris Kaunas in Litauen aktiv war, wurde von den Houston Rockets an 43. Stelle gedraftet, obwohl er sich Chancen ausgerechnet hat schon wesentlich früher ausgewählt zu werden. Ob er sofort nach Amerika geht und mit James Harden eine Kabine teilen darf oder weiter in Europa an seinem Spiel feilt, ist noch unklar. Jedenfalls haben die Houston Rockets die Draftrechte, das ist erst mal die Hauptsache.

Dirk Nowitzki, der 39-jährige deutsche Superstar, spielt in seiner zwanzigsten und endgültig letzten Saison mit einem jungen athletischen Point Guard zusammen, wovon die Dallas Mavericks schon seit Jahren geträumt haben. In diesem Jahr unternehmen die Mavericks, wie es scheint, keinen Versuch einen der dicken Fische in der anstehenden Free Agency zu verpflichten, sondern verjüngen ihr Team weiter.

Mit Dennis Smith Jr. hat Dallas an Position neun wohl den Point Guard der Zukunft gewählt. Offensiv wird er als einer der besten Spieler dieses Drafts angesehen, in der Verteidigung neigt er aber dazu, nachlässig zu sein. Mit Dirk Nowitzki hat Smith aber einen Mentor, der wie kein zweiter für Arbeitsethos und Einsatz steht. Wenn er diese Schwäche in den Griff kriegt, kann er ein prägender Spieler für die kommenden Jahre in Dallas werden. Ein gewisser Würzburger ist 1998 schließlich ebenfalls an Position neun gewählt worden.

Für die Geschichtsbücher:

Noch nie zuvor in der Geschichte des Drafts wurden 16 Freshman in der ersten Runde ausgewählt. Ein Freshman ist ein Spieler, der nur ein Jahr auf dem College war. Anmelden für den Draft, darf sich nur, wer in den USA 19 Jahre oder älter ist und die High School mindestens vor einem Jahr verlassen hat. Der Trend geht in der NBA also zur Wahl von jüngeren Spielern. Viele von ihnen, sind wie ein ungeschliffener Diamant. Roh aber potenziell wertvoll, nicht sofort eine Verstärkung, aber in ein paar Jahren oft den einen Schritt weiter als ein 22-jähriger Star aus dem College.

Exzentriker des Tages: „Ball controll“

Schon Monate vor dem Draft hat ein Vater die Basketballwelt terrorisiert. LaVar Ball, Vater von Lonzo Ball und gleichzeitig Vormund seines Sohnes, hat die sportliche Zukunft von Lonzo schon lange vor der Realität geplant. Lonzo solle für die Los Angeles Lakers spielen, was anderes war den Vater undenkbar. Außerdem hält LaVar seinen 19-jährigen Sohn Stand heute für den besseren Spieler als Stephen Curry, der zweimal zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt worden ist.

In einer Fernsehshow hat er die These aufgestellt, die so steil wie die Hahnenkammskipiste in Kitzbühel ist, dass er selbst in seiner Blütezeit im Eins gegen Eins Michael Jordan besiegt hätte. Immerhin hat er auch mal am College Basketball gespielt, sein Durchschnitt von zwei Punkten pro Partie bereitet Jordan vermutlich trotzdem keine schweißnassen Nächte.

Mittlerweile hat LaVar Ball eine eigenes Modelabel gegründet, die „Big Baller Brand“. Lonzo Ball hat seinen eigenen Schuh, der Preis von 495 Dollar schreckt bislang doch die meisten Kunden ab. Auch seine zwei weiteren Söhne Lamelo und Liangelo Ball, die noch auf der Highschool spielen, will der Vater vermarkten so gut es eben geht.

Nachdem Philadelphia Fultz an Position eins gezogen hat, ist LaVars Wunsch in Erfüllung gegangen. Lonzo Ball, an 2. Stelle von den Lakers gedraftet, spielt künftig in der Nähe der Heimat – nur wenige Kilometer von seinem ehemaligen College UCLA entfernt. Nach der Wahl war LaVar sichtbar erleichtert und sagte „Lonzo wird die Lakers gleich in seinem ersten Jahr in die Playoffs führen“. Seine Los Angeles Lakers Kappe, die er am Draft aufhatte, hat LaVar nach eigenen Angaben und in weiser Voraussicht schon gekauft, als Lonzo noch in die Windeln gemacht hat. Ein Glück, wer solche Papas hat.

Jediritter des Tages:

Die Veranstaltung hat sich dem Ende genährt, die meisten Zuschauer hatten das Barclays Center schon wieder verlassen, als Alpha Kaba ausgewählt worden ist. An 60. und letzter Stelle. Der Basketballer, der aufgrund seines Namens eher an Obi-Wan Kenobi und Qui-Gon Jinn, den Jedirittern aus den „Star Wars“-Filmen erinnert, wird künftig in Atlanta zusammen mit Dennis Schröder spielen, sofern er es in den Kader schafft. Schade nur, dass fast niemand mehr in der Halle war.

One thought on “NBA Draft 2017: Die goldene Zukunft in Philadelphia und Minnesota, ein Jediritter und ein größenwahnsinniger Vater

  1. Ein vorzüglicher Sportblog lieber Herr. Pfannenmüller, diesen habe ich mir gestern mit einem schönen Bierchen bei herrlichstem Sonnenschein zu Gemüte geführt. In den Artikel ist eine Menge geballtes Fachwissen plus eine ordentliche Portion an Witz eingeflossen, wie z.B. Jediritter des Tages. Machen Sie so weiter Herr. Pfannenmüller, eines Tages werden sie Frank Buschmann als Sportkommentator ablösen und von Ihm selbst auf den Thron des besten Kommentatoren gehoben werden. Ihr Gesicht wird jegliche Sportzeitschrift zieren.
    PS: Machen sie so weiter, es ist noch ein langer Weg, aber Ich bin felsenfest davon überzeugt,dass Sie diesen Weg mit Leichtigkeit meistern werden und in die Ära der besten Kommentatoren aufsteigen werden. Jedoch nur von Fleiß kommt der Preis, also am Ball bleiben. Alles gute und weiter viel Erfolg wünscht Ihnen Pabli.
    Kiss kiss bang bang 💥🔫

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