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Fußball: Wie Makoto Hasebe der älteste Bundesligaspieler wurde

Светлана Бекетова (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Makoto_Hasebe_2018.jpg), „Makoto Hasebe 2018“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Am heutigen Dienstag feiert Frankfurts Defensivspieler Makoto Hasebe seinen 38. Geburtstag. Das Aushängeschild des japanischen Fußballs spielt seit 14 Jahren in der Bundesliga. Seine Karriere wird er im Sommer vermutlich noch nicht beenden. Wie hat es Hasebe geschafft, zum ältesten aktiven Bundesligaspieler zu werden?

Als Makoto Hasebe im März 2003 sein Debüt in der ersten japanischen Liga feierte, gab es weder iPhones noch Whatsapp und in den Kinos lief der Zeichentrickfilm „Das Dschungelbuch 2“. Inzwischen geht Hasebe in seine 20. Profisaison. Am heutigen Dienstag begeht er seinen 38. Geburtstag.

Andere Fußballprofis haben in diesem Alter längst ihre Laufbahn beendet oder lassen ihre Karriere in den USA oder asiatischen Ländern ausklingen. Nicht so Hasebe, der sich nach wie vor mit den besten Bundesligaspielern misst.

Hasebe ist der älteste Spieler der Bundesliga

Hasebe ist der mit Abstand älteste aktive Profi der Bundesliga. Der nächstälteste Spieler, der in der laufenden Saison eingesetzt wurde, ist Hoffenheims Torhüter Philipp Pentke mit 36 Jahren und sechs Monaten. Einen nennenswerten Vorsprung hat Hasebe auf den zweitältesten Feldspieler Anthony Losilla (35 Jahre und zehn Monate) vom VfL Bochum.

Seit Juni 2020 ist Hasebe unter den asiatischen Spielern derjenige mit den meisten Einsätzen in der Bundesliga. Insgesamt schnürte er 351 Mal die Schuhe vor einem Bundesligaduell. In der Historie gab es nur vier Ausländer, die mehr Partien als Hasebe bestritten haben. Den drittplatzierten Naldo (358 Spiele) könnte er allerdings noch in dieser Saison überholen.

Hasebe wird 2009 Meister mit Wolfsburg

Im Januar 2008 wechselte Hasebe im Alter von 24 Jahren von den Urawa Red Diamonds zum VfL Wolfsburg. Als der in Fujieda, einer Stadt im Süden Japans, geborene Fußballer in die Bundesliga kam, gab es noch Meister, die nicht Bayern München hießen. Diesem exklusiven Kreis trat er kurze Zeit später selbst bei.

Eineinhalb Jahre nach seiner Ankunft wuchtete Hasebe mit seinen Kollegen die Meisterschale in die Höhe. Unter der Leitung von Trainer Felix Magath spielten die Niedersachsen eine Rückrunde für die Geschichtsbücher.

Unvergessen bleibt der 5:1-Sieg gegen den FC Bayern. Im Wolfsburger Mittelfeld spielte Hasebe meist auf der rechten Seite in einer Rautenformation – neben Josue, Christian Gentner und Zvjezdan Misimovic.

Magath setzte Hasebe zunächst anders ein als dessen frühere Chefs bei den Urawa Red Diamonds. Dort wurde er in der Regel ins defensive Mittelfeld gestellt, auch in der japanischen Nationalmannschaft kamen Hasebes Fähigkeiten auf der Sechserposition zum Tragen.

Hasebe ist auf mehreren Positionen einsetzbar und stand sogar einmal im Tor

Nicht nur während seiner Zeit in Wolfsburg, sondern auch später zeichnete er sich stets durch Flexibilität aus. Manchmal kam er auch als Rechtsverteidiger zum Zug. Wenn Not am Mann war, setzte ihn sein Trainer als Linksverteidiger oder im linken Mittelfeld ein.

In der Saison 2011/2012 stand er in der Schlussphase der Partie gegen die TSG 1899 Hoffenheim sogar im Tor. Nachdem Schlussmann Marwin Hitz mit einer Roten Karte vom Platz geflogen war und Wolfsburg die drei erlaubten Auswechslungen bereits vorgenommen hatte, beorderte Magath den Allrounder in den Kasten.

Mit einer Körpergröße von 1,80 Metern besitzt Hasebe zwar nicht die Parademaße eines Torhüters, auf der Pressekonferenz nach dem Spiel begründete Magath jedoch seine Wahl: „Ich war für Hasebe. Japaner sind sehr diszipliniert und können auf jeder Position spielen“, sagte der Cheftrainer. Das Tor von Roberto Firmino zum 1:3-Endstand konnte Hasebe allerdings nicht verhindern.

Hasebes kurzes Intermezzo beim 1. FC Nürnberg

Im Spätsommer 2013 wechselte Hasebe zum 1. FC Nürnberg. Den Abstieg in die 2. Bundesliga konnte er jedoch nicht verhindern, auch weil er in der Rückrunde 17 Spiele aufgrund eines Meniskusrisses verpasste.

Für Hasebe war eine solch lange Verletzungspause unüblich. Nur einmal noch in seiner Profikarriere – in der Saison 2016/2017 – fehlte er mehrere Wochen infolge einer Knie-Operation.

Seit 2014 ist Hasebe bei Eintracht Frankfurt unter Vertrag

Hasebe blieb nur eine Saison in Nürnberg und schloss sich 2014 Eintracht Frankfurt an. Für die Hessen ist er bis heute aktiv. Unter Frankfurter Fans, die ihn oft „Hase“ nennen, genießt er ein hohes Ansehen. Von Mitspielern wird er manchmal „Legende“ oder „Opa“ gerufen.

In den vergangenen Jahren bei der Eintracht hat Hasebe viele Trainer kommen und gehen sehen. Durchweg halten alle große Stücke auf ihn.

Kovac stellte Hasebe als Innenverteidiger auf

Niko Kovac war der erste Trainer, der Hasebe von der Sechs in die Innnenverteidigung stellte. „Makoto ist einer, der – egal wo – einsetzbar ist, nie murrt, alles macht, alles kann, nie müde ist. Er ist – in Anführungszeichen – ein richtiger Soldat. So jemanden braucht jeder Klub“, adelte Kovac den 114-fachen japanischen Nationalspieler.

Светлана Бекетова (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Makoto_Hasebe_2018.jpg), „Makoto Hasebe 2018“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode
Светлана Бекетова (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Makoto_Hasebe_2018.jpg), „Makoto Hasebe 2018“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Trainer Adi Hütter wurde zu Beginn seiner Amtszeit bei Borussia Mönchengladbach von Fohlen TV gefragt, wer der beste Profi sei, den er bislang trainiert hatte. Hütters Wahl fiel nicht nur auf Sadio Mane, den er in Salzburg betreuen durfte – sondern auch auf Makoto Hasebe.

Hütter vergleicht Hasebe mit einem guten Wein

„Für mich ein Ausnahmespieler war bei Eintracht Frankfurt Makoto Hasebe“, schwärmte der Österreicher über seinen ehemaligen Spieler. Dass der Japaner in seinem hohen Alter noch auf einem hohen Niveau spiele, habe Hütter „unglaublich imponiert“.

„Bei Makoto ist es wie beim Wein: je älter, desto besser.“

Ex-Frankfurt-Trainer Adi Hütter über Makoto Hasebe

Als beide noch regelmäßig gemeinsam auf dem Trainingsplatz standen, sagte Hütter einmal: „Bei Makoto ist es wie beim Wein: je älter, desto besser.“ Ein anderes Mal versuchte er sich an einer Erklärung für den Erfolg des Oldies: „Makoto sprintet im Kopf. Physisch wird er es gegen den ein oder anderen nicht aufnehmen können, aber wenn du vorher schon weißt oder fühlst, wohin der Ball kommt, dann vereinfacht das die Angelegenheit.“

Was für ein Spielertyp ist Hasebe?

Hasebe ist nicht der Größte, Schwerste oder Schnellste, aber hat die Fähigkeit, ein Spiel durch seine Erfahrung und Instinkte zu entschlüsseln. Dank seines exzellenten Stellungsspiels und seiner Antizipationsgabe lässt er gefährliche Situationen erst gar nicht aufkommen.

Auch für die Offensivbemühungen seiner Teams ist Hasebe wertvoll. Mit seiner Spielintelligenz, Ruhe und Übersicht hat er einen großen Einfluss auf das Aufbauspiel der Eintracht.

Hasebe spielt nicht mehr in jeder Bundesligapartie, aber wenn wie zuletzt gegen den FC Augsburg ein zuverlässiger Passspieler gefragt ist, steht er in der Startaufstellung.

Gegen Borussia Dortmund eine Woche zuvor bekam Martin Hinteregger noch den Vorzug vor Hasebe. Dank dessen Physis im Zweikampf war Hinteregger für das Duell gegen Erling Haaland eher prädestiniert als Hasebe, der tendenziell ein filigranerer Spielertyp ist.

Für Spektakel sind bei der Eintracht trotzdem andere Spieler zuständig. Hasebe war nie ein Torjäger, wie seine Torquote belegt. Insgesamt hat er nur sieben Bundesligatore erzielt. Aber was Hasebe kann, ist mit seinen Anspielen den Weg nach vorne zu suchen, ohne dabei überzogene Risken einzugehen.

Glasner und Sow schwärmen von Hasebe

Hasebes derzeitiger Trainer Oliver Glasner tauscht sich regelmäßig mit dem Routinier aus. „Was Makoto sagt, hat Hand und Fuß. Wenn wir uns unterhalten, hänge ich an seinen Lippen“, sagte Glasner fast ehrfürchtig. Der Österreicher bezeichnete Hasebe als „phantastischen Spieler und Menschen“.

„Es ist relativ einfach, neben Makoto zu spielen. Gefühlt hat er schon 1000 Spiele in der Bundesliga gemacht.“

Frankfurts Mittelfeldspieler Djibril Sow über Makoto Hasebe

Auch seine Teamkollegen schwärmen von der Erfahrung und den Führungsqualitäten des Altmeisters. „Es ist relativ einfach, neben Makoto zu spielen. Gefühlt hat er schon 1000 Spiele in der Bundesliga gemacht. Er hilft mir enorm und coacht das ganze Team“, sagte Frankfurts Mittelfeldakteur Djibril Sow nach einem Spiel im vergangenen Jahr.

Hasebe kann auf dem Platz aufbrausend werden

Außerhalb des Platzes verhält sich Hasebe bedacht und reflektiert, doch während der 90 Minuten kann er auch hitzköpfig werden. Wird ein Foul gegen einen seiner Teamkamaraden gepfiffen, diskutiert Hasebe bisweilen mehr und intensiver mit dem Schiedsrichter als sein Mitspieler, der das Foul begangen hat.

„Ich gebe zu, bei mir ist das manchmal zu viel. Ich habe das auch gemerkt. Aber: Wenn ich nicht mit diesen Emotionen auf dem Platz agiere, dann büße ich Qualität ein, glaube ich. Meine Familie und meine Mitspieler nehmen mich da manchmal hoch. Aber auf dem Platz ist das mein Gesicht“, sagte er einmal im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau.

Bezogen auf sein Verhalten auf dem Rasen macht es für Hasebe einen Unterschied, ob er sein Team als Kapitän aufs Feld führt oder nicht. „So lange ich nicht Kapitän bin, bin ich ein bisschen aufbrausender. Als Kapitän muss ich ein Vorbild sein“, betonte er.

Bei der Eintracht ist Hasebe Stellvertreter von Kapitän Sebastian Rode. Fehlt dieser verletzungsbedingt, wie über weite Strecken der Hinrunde, trägt Hasebe die Binde. In der Nationalmannschaft war er bei drei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften (2010, 2014, 2018) Kapitän seines Heimatlandes.

2018 räumte Hasebe Auszeichnungen und Titel ab

Nach der Hinrunde der Saison 2018/2019 wurde Hasebe vom Fachmagazin kicker sogar zum besten Innenverteidiger der Bundesliga gekürt – vor Spielern wie Mats Hummels oder Jerome Boateng. Außerdem stufte ihn die Zeitschrift sowohl in der Winterpause als auch im folgenden Sommer als Spieler von „Internationaler Klasse“ ein.

2018 wurde Hasebe zudem zu Asiens internationalem Fußballer des Jahres ausgezeichnet. In diesem Jahr gelang ihm mit Frankfurt der Gewinn des DFB-Pokals. Neben der Meisterschaft mit Wolfsburg 2009, dem Gewinn der asiatischen Champions League 2007 und des Asiencups 2011 mit der Nationalmannschaft war dies einer seiner größten Erfolge.

Hasebe spricht über die junge Generation

Eintrachts Nummer 20 steht mit Spielern auf dem Feld, die teilweise 15 oder 20 Jahre jünger sind. Im Sportbuzzer-Interview vor rund einem Jahr sagte er mit einem Augenzwinkern, dass die jungen Spieler seine Söhne sein könnten.

„Es fühlt sich schon komisch an, mit 17- oder 18-Jährigen zu trainieren und gegen sie zu spielen.“

Makoto Hasebe

„Ich bin sehr stolz, als ältester Spieler der Liga immer noch im Einsatz zu sein. Aber es fühlt sich schon komisch an, mit 17- oder 18-Jährigen zu trainieren und gegen sie zu spielen“, sagte der Defensivspieler.

Für Fußballprofiverhältnisse pflegt Hasebe einen anspruchslosen Lebensstil. Nie hat er die Bodenhaftung verloren, immer seiner Leistungsfähigkeit alles untergeordnet. Er schläft ausgiebig, ernährt sich bewusst, meditiert und nimmt jeden Tag ein heißes Bad bei 42 Grad Wassertemperatur.

Tugenden, die Hasebe bei manchen jungen Fußballern vermisst. „Es ist eine schwierige Situation. Sie verdienen sehr gut. Alle sagen, wie gut sie sind. Das ist okay, doch sie sollten bescheiden bleiben“, meinte der 38-Jährige, der sich in seiner Freizeit mit den Texten des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche beschäftigt.

„Ich habe mit vielen jungen Fußballern gespielt, und es ist mir aufgefallen, dass nicht alle von ihrer Persönlichkeit her schon weit genug waren. Sie waren noch nicht erwachsen, teilweise etwas arrogant. So werden sie sich nicht durchsetzen. Der Fokus muss voll auf dem Fußball liegen, um etwas zu erreichen“, versicherte Hasebe.

Hasebe hat an die Opfer von Fukushima gespendet

Hasebe hat sogar mal ein Buch geschrieben. „Die Ordnung der Seele – 56 Gewohnheiten, den Sieg zu erringen“ war ein Bestseller in Japan. Die Einnahmen in Höhe von fast zwei Millionen Euro kamen dem Aufbau eines Kindergartens für die Opfer der Nuklearkatastrophe von Fukushima zugute.

Sowohl aus sportlichen als auch charakterlichen Gründen würde Eintracht Frankfurt den treuen Schlüsselspieler gern noch eine weitere Saison halten. Als Hasebe ein gewisses Alter erreicht hatte, entschlossen sich die Klubverantwortlichen und der Profi in den vergangenen Spielzeiten dazu, jeweils Einjahresverträge zu vereinbaren.

Während der letzten Zeit stand ein Karriereende Hasebes 2019, 2020 oder 2021 im Raum, doch die Zusammenarbeit wurde stets etappenweise fortgesetzt. Zukunftsprognosen sind in seinem Fall insofern mit Vorsicht zu genießen.

Hasebe will „Methusalem“ Miura nicht nacheifern

In die Fußstapfen von japanischen Profisportlern wie dem 49-jährigen Skispringer Noriaki Kasai oder dem fast 55-jährigen Fußballer Kazuyoshi Miura will Hasebe allerdings nicht treten. „Er ist mein Vorbild, aber es ist nicht mein Ziel, solange zu spielen“, sagte Hasebe über Miura im März 2021.

Kasai will unbedingt noch einmal zu den Olympischen Spielen – auch wenn es in diesem Jahr nicht klappen wird. Miura,King Kazu“ genannt, hat seinen ersten Profivertrag unterschrieben, als Hasebe zwei Jahre alt war.

Seit Anfang des Jahres spielt Miura auf Leihbasis bei einem japanischen Viertligisten, doch bei seinem Stammverein Yokohama FC spielte er in der vergangenen Saison in der ersten Liga und im Pokalwettbewerb immerhin noch vier Mal.

Hasebe soll verlängern und nach seiner Spielerkarriere die Möglichkeit bekommen, bei der Eintracht weiterzuarbeiten

Vor Weihnachten haben offenbar Vertragsgespräche zwischen der Vereinsführung und Hasebe stattgefunden. Nach Informationen der Bild soll Hasebe sein im Juni 2022 auslaufendes Arbeitspapier um ein weiteres Jahr verlängern.

Wie der kicker berichtet, winkt Hasebe nach seiner Spielerkarriere eine Anschluss-Tätigkeit bei Eintracht Frankfurt. Hasebe zieht eine Karriere als Manager oder Trainer in Betracht. Derzeit besucht er einen Lehrgang beim Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Vielleicht bleibt er der Eintracht oder der Bundesliga ja erhalten. Als Neueinsteiger in einer Funktion abseits des Feldes würde er zumindest anfangs wohl nicht mehr „Opa“ genannt werden.

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