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Fußball: Euphorisierter Hamburger SV startet in die Zweitliga-Saison

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Heute startet der Hamburger SV in die erste Zweitliga-Saison seiner Geschichte. Trotz jener Katerstimmung der vergangenen Jahre haben die Fans ihren Verein wieder liebgewonnen. Die Euphorie in der Stadt schwappt buchstäblich über die Elbe. Der HSV betrachtet den Abstieg nicht als Fiasko, sondern als Neubeginn.

Rund 57.000 Zuschauer werden heute Abend in die Hamburger Arena strömen. Der Absteiger empfängt mit Holstein Kiel eine Mannschaft, die beinahe in die Bundesliga aufgestiegen wäre. Wunschtraum eines jeden Profi-Teams. Doch für den HSV ist das Oberhaus seit kurzem ein Sehnsuchtsort, nachdem sie über Jahre hinweg den einen oder anderen Kraftakt benötigten, um die Liga zu halten und schon damals dem drohenden Schicksal ins Auge blickten.

Dass der HSV kein gewöhnlicher Klub ist, dürfte dem neuen Sportvorstand Ralf Becker schon aufgefallen sein. Den Enthusiasmus hätte er aber wohl selbst nicht für möglich gehalten. „Ja, es herrscht schon so etwas wie Euphorie, das ist fast schon ein wenig paradox“, sagte Becker dem kicker. 25.000 Dauerkarten hat der Verein abgesetzt. Daneben traten über 7.500 neue Mitglieder dem Verein bei.

Mit Aufbruchstimmung in den Saisonstart

Trainer Christian Titz hat den Wandel miterlebt: „Als wir vor einigen Monaten angefangen haben, herrschte gefühlt eine Untergangsstimmung. Das ist nun umgekehrt der Fall. Mannschaft und Fans sind aufeinander zugegangen. Jeder spürt, dass die zweite Liga eine echte Chance auf einen Neuanfang ist.“ Als Titz im März seinen Posten übernahm, wurde er belächelt. Beinahe schaffte er jedoch den Klassenerhalt, die Mannschaft gab schon damals eine Kostprobe, wie gut sie sein kann. Von Aufbruchstimmung war im Frühjahr allerdings noch wenig zu sehen.

„Beim HSV halten wir in schwierigen Zeiten zusammen. Das ist einfach genial und brutal wichtig für unseren Neuanfang“, freute sich Lewis Holtby jüngst in der Hamburger Morgenpost. Der Ex-Nationalspieler verlängerte genau wie Aaron Hunt im Sommer seinen Vertrag bei den Hanseaten. Mit ihren Unterschriften haben die erfahrenen Leistungsträger ein Zeichen gesetzt: Weglaufen vor dem Neuland in der zweiten Liga? Nicht mit ihnen, obwohl es angeblich Angebote aus der Bundesliga gab.

Fokus liegt auf der Jugend

Neben dem 27-jährigen Holtby und dem 31-jährigen Hunt könnte Rick van Drongelen (19) mittelfristig zum Führungsspieler aufsteigen. Schon in der letzten Saison war der Niederländer einer der wenigen Lichtblicke. Gemeinsam mit dem 21-jährigen Neuzugang Bates soll er die etatmäßige Innenverteidigung bilden. Mit dem Japaner Gotoku Sakai steht Drongelen und Bates ein erfahrener Rechtsverteidiger zur Seite, der sogar bei der WM spielte.

Dennoch steht der Nachwuchs immer mehr im Fokus. Mit Routiniers wie Sejad Salihovic (33), Mergim Mavraj (31) oder Dennis Diekmeier (28) hat man nicht verlängert. Nicolai Müller (30) oder Andre Hahn (27) haben die Hamburger ziehen lassen. Stattdessen sollen Jungspunde wie Tatsuya Ito (21) oder Vasilije Janjicic (19) die „Rothosen“ in die Zukunft führen und am besten dabei helfen, den Aufstieg einzufahren.

Nahmhafter Sturm mit Lasogga und Arp

Denn trotz aller Jugendlichkeit scheint die Mannschaft bestens gerüstet zu sein. Mit Jairo Samperio (25) kam ein bundesligaerprobter Angreifer. Neuzugang Christoph Moritz (28) heizt den Konkurrenzkampf im Mittelfeldzentrum an und gilt als Liebling von Titz. Stürmer Pierre-Michel Lasogga kehrte nach seiner Leihe zu Leeds United zurück, 10 Treffer erzielte er in Englands zweiter Liga. Zumindest auf dem Papier überzeugt Hamburgs Sturm. Denn mit Jann-Fiete Arp hat Lasogga einen hoffnungsvollen Nebenmann, der seinen Vertrag um ein Jahr bis 2020 verlängerte. Angeblich buhlte der FC Bayern um ihn. Arp, Hunt, Holtby. Echte Identifikation statt Lippenbekentnisse.

In der Vorbereitung bewies der HSV eine starke Frühform mit Erfolgen gegen ZSKA Moskau (3:1), Stoke City (1:0) oder zuletzt gegen die AS Monaco (3:1). Es wirkt so, als ob der Klub endlich einmal an einem Strang zieht. Obwohl der Durchmarsch in die Bundesliga kein Selbstläufer wird, ist ein erfrischender Zusammenhalt spürbar, der jahrelang so rar war. Doch sollte der HSV den Auftakt vermasseln, könnte der übliche Streit prompt wieder aufflammen.

 

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