Basketball Sport

NBA: Champion Los Angeles Lakers trotzt allen Widrigkeiten

All-Pro Reels (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:LeBron_James_Lakers.jpg), „LeBron James Lakers“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/legalcod

Die Los Angeles Lakers haben die 365 Tage andauernde und damit längste NBA-Saison der Geschichte als Meister abgeschlossen. In der Finalserie gegen die Miami Heat brillierte der 35-jährige LeBron James. Nach dem tragischen Tod von Lakers-Legende Kobe Bryant mitten in der Saison gehen von den Lakers jetzt wieder positive Nachrichten aus.

Bis vor wenigen Tagen mussten sich Fans der Los Angeles Lakers mit einer Zeitmaschine zehn Jahre in die Vergangenheit zurückversetzen, um die Euphoriegefühle Revue passieren zu lassen, wie sich der Gewinn des Titels in der National Basketball Association (NBA) anfühlt.

Seinerzeit hatten die Lakers im Traditionsduell gegen die Boston Celtics die Oberhand behalten. Der damalige Finalheld hörte auf den Namen Kobe Bryant. 20 Jahre, also seine gesamte Profikarriere, hatte Bryant seine Sneaker für die Lila-Goldenen geschnürt. Ein treuer Athlet, ein fordernder Teamkollege und der wohl ehrgezeigste Spieler seiner Generation.

Bryants Tod war ein Schock

Am 26. Januar kam der 41-jährige Bryant gemeinsam mit seiner 13-jährigen Tochter Gianna und sieben weiteren Menschen bei einem Helikopterabsturz ums Leben. Die Basketballwelt und vor allem Los Angeles stand unter Schock. Erst tags zuvor hatte LeBron James, der inzwischen im Trikot der Los Angeles Lakers auf Korbjagd geht, Bryant in der Rangliste der erfolgreichsten Punktesammler der NBA von Rang drei verdrängt.

„Jedes Mal wenn ich versuche, etwas zu schreiben, fange ich beim Gedanken an dich, Gigi (Anm. d. Red.: gemeint ist Bryants Tochter Gianna) und unsere Freundschaft wieder an zu weinen“, so lauten die ersten Zeilen des Abschiedsbriefes von LeBron James. James, früher im Trikot von Miami und Cleveland, kannte Bryant als Gegner sowie als Teamkamarad, als beide die Goldmedaille mit dem Team USA bei den Olympischen Spielen 2008 sowie 2012 holten. Immer wenn die Diskussion über die besten Basketballer aller Zeiten aufkommt, beanspruchen beide einen der Spitzenplätze.

Während Bryant fünf Titel mit den Lakers gewann, hat sich James vor drei Tagen seinen vierten Championship gesichert. Für die Los Angeles Lakers ist es die insgesamt 17. Meisterschaft ihrer Geschichte, womit sie mit dem Spitzenreiter Boston Celtics gleichziehen.

Der General Manager der Lakers, Rob Pelinka, sagte: „Diese Meisterschaft ändert nichts an diesem Verlust (Kobes und Giannas Tod), aber es hat den positiven Effekt, dass es zu ihrem Erbe beiträgt. Dieser Titel ist ihnen gewidmet.“

Wie präsent Bryant im Umfeld der Lakers war, zeigt eine Anekdote, die Anthony Davis nach dem Titelgewinn erzählte. „Vor der Tragödie war er bei Spielen und sagte uns: ‚Das ist euer Jahr. Holt es euch.‘ Er hatte viel Vertrauen in uns. Ich weiß, dass er von oben auf uns schaut und super stolz ist. Wir vermissen ihn, und das hier ist definitiv für ihn“, schilderte der 27-Jährige.

Trade für Anthony Davis

In seiner ersten Saison im LaLa-Land 2018/2019 verpasste James noch die Playoffs, was auch daran lag, dass er sich inmitten der Spielzeit verletzte. Darüber hinaus harmonierte der Superstar nicht genügend mit seinen vielen unerfahrenen Mitspielern. Da James nicht jünger wird, sah sich das Management gezwungen, mit Anthony Davis eine hochkarätige Nummer zwei an Land zu ziehen. In einem Trade mit den New Orleans Pelicans gaben die Lakers einen großen Teil ihrer Zukunft ab, genauer Brandon Ingram, Lonzo Ball, Josh Hart und drei Erstrundenpicks.

Schon nach einem Jahr lässt sich jedoch festhalten, dass sich der Trade rundum gelohnt hat. Anthony Davis verbesserte nicht nur die Defensive (die Lakers hatten das drittbeste Defensivrating der Regular Season), sondern passte auch offensiv ideal zu James, dessen Passfähigkeiten Davis ein ums andere Mal „leichte“ Punkte bescherten. Auf der anderen Seite führte Davis die Lakers-Offensive an, wenn James auf der Ersatzbank saß oder mal einen schlechteren Tag hatte.

„Ich verspreche dir, ich werde dein Vermächtnis weiterführen“, hatte James in seinem Brief an den verstorbenen Bryant geschrieben. Wenn man James an seinen Taten misst, muss man ihm zugute halten, dass er definitiv Wort gehalten hat. Die Lakers, die zwischen 2013 und 2019 nur 169 von 492 Spielen gewannen, sind seit James‘ Ankunft im Sommer 2018 und spätestens seit Davis eintraf wieder eine respektable Größe im US-Sport.

Mehrere Lasten auf den Schultern der Lakers

Der Tod von Kobe Bryant war nicht die einzige Erschwernis einer speziellen Saison, die wegen der Corona-Pandemie von März bis Juli den Spielbetrieb einstellte. Im Frühsommer setzte sich die NBA das Ziel, die Saison auf dem Disney-Land-Gelände in Orlando unter Ausschluss der Zuschauer doch noch zu beenden. Im Regelwerk war festgehalten, dass die Spieler das Gelände nicht verlassen und keinen direkten Kontakt zu Außenstehenden haben durften. Eine Herausforderung für alle Beteiligten.

Für die Lakers kam noch hinzu, dass sich Shooting Guard Avery Bradley verletzte und die gesamten Playoffs verpasste. Darüber hinaus kam das Team von Trainer Frank Vogel nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs nur langsam in Schwung. Von den verbleibenden acht regulären Saisonspielen konnte Los Angeles nur drei für sich entscheiden.

Auch das jeweils erste Spiel in der Erstrundenserie gegen Portland sowie in der Zweitrundenserie gegen Houston verlor man. Aber nach den ersten Dämpfern gewannen die Lakers sowohl gegen Portland als auch gegen Houston vier Mal am Stück und zogen dadurch in die nächste Runde ein. In den Western Conference Finals triumphierten James, Davis und Co. mit 4:1 über die Denver Nuggets in überzeugender Manier.

Im Finale gegen die Miami Heat dominierten die Lakers Spiel eins und zwei, ehe Miamis Führungsspieler Jimmy Butler im dritten Spiel eine bravouröse Leistung (40 Punkte, 11 Rebounds, 13 Assists) aufs Parkett zauberte und damit ein Signal aussendete, dass sich die Mannen aus Florida nicht kampflos geschlagen geben würden. Vor dem sechsten Spiel führten die Lakers in der best-of-seven-Serie nur noch 3:2.

NBA Finals Spiel 1Los Angeles Lakers – Miami Heat116 : 98
NBA Finals Spiel 2Los Angeles Lakers – Miami Heat124 : 114
NBA Finals Spiel 3Los Angeles Lakers – Miami Heat104 : 115
NBA Finals Spiel 4Los Angeles Lakers – Miami Heat102 : 96
NBA Finals Spiel 5Los Angeles Lakers – Miami Heat108 : 111
NBA Finals Spiel 6Los Angeles Lakers – Miami Heat106 : 93

Lakers demontieren die Heat

Wer sich allerdings auf eine spannende sechste Partie gefreut hatte, musste seine Hoffnungen schnell begraben. Zur Halbzeit führten die Lakers mit 64:36. Eine höhere Pausenführung in einem NBA-Finalspiel gab es nur einmal. Ein viertelübergreifender 47:18-Lauf hatte den Widerstand der Heat gebrochen.

Der Schachzug von Lakers-Trainer Frank Vogel den flinken und defensiv engagierten Alex Caruso anstelle von Dwight Howard in die Startformation zu beordern ging voll auf. Anthony Davis rutschte auf die Center-Position und stellte sein gesamtes Arsenal an Defensivfähigkeiten zur Schau. Als Ringbeschützer, Kommunikator, Verteidiger gegen Guards sowie Big Men war der 2,08 Meter große Davis die Speerspitze einer Verteidigung, die Miami zu hilflosen Würfen und überhasteten Aktionen zwang.

Am offensiven Ende des Felds riss seine Erfolgserie von getroffenen Freiwürfen in Folge während der Finals erst beim 29. Versuch. Außerdem stellte der 34-jährige Spielmacher Rajon Rondo (19 Punkte) unter Beweis, wieso sein Spitzname „Playoff-Rondo“ weiterhin gültig ist. Kentavious Caldwell-Pope (17 Punkte) war wieder einer der wertvollsten Rollenspieler. Nachdem er zu Saisonbeginn noch harsch kritisiert wurde, steigerte sich Caldwell-Pope von Monat zu Monat und war schließlich hinter James und Davis der drittbeste Punktesammler der Lakers in den Finals.

All-Pro Reels (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:LeBron_James_Lakers.jpg), „LeBron James Lakers“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/legalcod

Königliche Extraklasse

Der beste und wertvollste Spieler war aber wieder einmal LeBron James. In seinem 260. Playoffspiel (NBA-Rekord unter allen derzeitigen und ehemaligen Spielern) brachte er es auf 28 Punkte, 14 Rebounds und 10 Assists. Über die gesamte Finalserie legte er 29,8 Punkte auf, pflückte 11,8 Rebounds und sammelte 8,5 Assists.

Wer James beim Dunken, beim Springen und Fliegen durch die Halle zusieht, kann kaum glauben, dass er am 28. Dezember 2020 seinen 36. Geburtstag feiert. Sein Spielstil ist schlicht zu spektakulär für einen NBA-Profi im Endstadium seiner Karriere. Endstadium? Nach klassischen Maßstäben vielleicht, doch die sonst so treffsicheren Gesetze des Profisports, wonach es für einen Basketballer leistungsmäßig mit 35 Jahren bergab geht, gelten überhaupt nicht für James.

Im fünften Spiel schenkte er den Heat sechs Dreipunktewürfe ein, im sechsten Spiel attackierte er unermüdlich den Korb. Des weiteren ist James wohl derzeit der weltweit beste Passgeber. Es scheint für ihn keine Rolle zu spielen, ob er aus dem Low Post, dem Pick and Roll oder im Schnellangriff das Spiel aufzieht. Sein Überblick und sein Timing sind einzigartig.

James ist ausgesprochen vielseitig. Über die sechs Partien verzeichnete er eine starke 59,1%-ige Feldwurfquote, 45,2% warf der frühere Star der Miami Heat von hinter der Dreierlinie.

2012 und 2013 hatte James mit Miami den Titel geholt, 2016 mit den Cleveland Cavaliers, 2020 führte er die Los Angeles Lakers auf den Thron. Dabei wurde er immer zum Finals MVP ausgezeichnet, also zum wertvollsten Akteur der Finalserie. Nicht umsonst wird James in Szenekreisen auch „King“ genannt. Nach John Salley und Robert Horry ist James nun der dritte Spieler, der mit drei verschiedenen Teams die Meisterschaft gewinnen konnte.

„Das Gefühl, etwas beweisen zu müssen, hat mich angetrieben die vergangenen eineinhalb Jahre. Es gab immer etwas Zweifel“, sagte er. In der vergangenen Saison hatten Beobachter die verpasste Playoffteilnahme der Lakers sowie die Aussetzer von James in der Defensive bemängelt.

Im Jahr 2003 war Johannes Rau Bundespräsident, Michael Schuhmacher Formel 1 Weltmeister und das erste Finale von „Deutschland sucht den Superstar“. Seitdem spielt LeBron James in der NBA. Es ist nicht hoch genug zu bewerten, dass er nach 17 Jahren immer noch zu den besten Spielern der Welt zählt. Verschleiß scheint ein Fremdwort für seinen Körper zu sein. Abgesehen von seiner Leistenverletzung im Dezember 2018 muss der 16-malige Allstar verletzungsbedingt so gut wie nie pausieren.

2002 landete James als Teenager mit dem Titel „The Chosen One“ auf dem Cover der Sports Illustrated. Schon auf der Highschool war er unter Basketballkennern eine Berühmtheit, teilweise wurden seine Highschool-Partien im Fernsehen übertragen. Außerordentlicher Erfolg schürt immer auch Erwartungen, die James aber stets erfüllt und sogar übertroffen hat. Kobe Bryant wäre stolz auf ihn und seine Lakers.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.