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NFL Draft 2021: Top-Talente 1-10

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Wer sind die aus meiner Sicht besten Spieler im NFL Draft 2021? Ob die folgenden Spieler auch wirklich Erfolg in der NFL haben werden, hängt nicht nur vom Talent, sondern auch von einer Reihe weitererer Faktoren ab: Verletzungen, Scheme-Fit, Trainerwechsel, Umfeld, Charakter und viele mehr. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist das meine persönliche Top-10, die von anderen sogenannten Big Boards an manchen Stellen mehr abweicht und an manchen weniger.

Der Wert der Positionen spielt in dieser Auflistung eine Rolle. Ein Beispiel: Weil ein Quarterback grundsätzlich wichtiger als ein Runningback ist, macht sich der sogenannte Positional Value auch in dieser Liste bemerkbar. Ein Ranking übergreifend über alle Positionsgruppen ist im Allgemeinen schwierig. Aber doch scheint dieser Draft bei den Wide Receivern oder in der Offensive Line tiefer besetzt zu sein als bei den Tight Ends. Daher taucht in dieser Liste auch nur ein Tight End unter den besten 50 auf – jener allerdings ganz weit oben.

Hits and Misses aus dem Vorjahr

Der Draft in jedem April bietet auch die Möglichkeit auf die Draft-Klasse des Vorjahres zurückzublicken. Damals hatte ich eine Top-35 erstellt (https://40sechzig90.de/american-football/nfl-draft-2020-top-35-talente/). Natürlich kann man nach einem Jahr bei den meisten Spielern noch nicht absehen, wie sie in den nächsten Jahren in der NFL performen werden. Die meisten Spieler sind noch jung und brauchen in der Regel Anlaufzeit. Dennoch gibt es Spieler, die gleich in ihrer Rookie-Saison Schlüsselspieler waren.

Daneben lag ich bei Quarterback Justin Herbert. Ihn hatte ich auf Rang 29 auf meinem Big Board. Der heute 23-Jährige wurde im Draft von den Los Angeles Chargers an Position sechs ausgewählt und durfte gleich starten. Auch wenn der Teamerfolg sich in Grenzen hielt, überzeugte Herbert mit 31 Touchdowns und zehn Interceptions. Er wurde zum Offensive Rookie gewählt und ließ Wide Receiver Justin Jefferson hinter sich. Dieser spielte eine der besten Rookie-Seasons, die man von einem Passempfänger je gesehen hat. 21 Teams hätten ihn im Draft auswählen können, bevor die Minnesota Vikings als Nutznießer an Nummer 22 zuschlugen. Bei mir rangierte Jefferson auf dem 24. Platz. In 16 Spielen brachte Jefferson 1400 Receiving Yards zustande, nur Stefon Diggs (Buffalo Bills), Travis Kelce (Kansas City Chiefs) und DeAndre Hopkins (Arizona Cardinals) waren besser in dieser Kategorie. Jefferson war nicht nur Pro Bowler, sondern wurde auch ins All-Pro Second-Team berufen.

Antoine Winfield Jr. war bereits vor der Saison einer meiner Favoriten. Ich hatte den 1,76 Meter großen Safety auf Position 17, letztlich wurde er an Position 45 von den Tampa Bay Buccanneers gedraftet. Er startetete sofort, tat sich besonders als Verteidiger gegen den Lauf hervor und kam auf 92 Tackles. Im Super Bowl gegen die Kansas City Chiefs hatte er sogar eine Inteception. Jeremy Chinn hatte ich auf Position 33. Im Draft fiel der athletische Hybrid aus Linebacker und Safety bis an Position 64. Bei den Carolina Panthers gelangen ihm in 15 Spielen stolze 116 Tackles und zwei Forced Fumbles, außerdem verteidigte er fünf Pässe und schnappte sich eine Interception.

Aber jetzt folgt der Blick auf die Draft-Klasse 2021. Morgen erscheint das Ranking der Positionen 11 bis 20.

1. Trevor Lawrence (Quarterback, Clemson)

Ein großer, beweglicher Quarterback, der auf höchstem College-Level enorm viel Erfahrung gesammelt hat. Trevor Lawrence kann Druck in der Pocket ausweichen und ist sehr flink auf den Füßen, vor allem wenn man bedenkt, dass er 1,97 Meter groß ist. Im offenen Feld kann er Tackles brechen. Er besitzt eine großartige Armstärke und wirft mit viel Power. Sein Abwurf ist schnell und weitestgehend mechanisch sauber.

Trevor Lawrence kann Passempfänger mit Timing-Pässen „frei“ werfen (im Unterschied zu freien, ungedeckten Receivern zu werfen). Der 21-Jährige kann mit seiner rechten Hand auch präzise werfen, wenn er auf die linke Seite rausrollt. Er ist in der Lage, außerhalb der Struktur der Offense zu kreieren. Er kann Defensive Backs mit seinen Augen manipulieren und auf die Seite des Feldes locken, wo er sie haben will. Seine Präzision ist grundsätzlich gut, aber inkonstant und vielleicht seine größte Schwäche. Manchmal erzwingt er Bälle in Passfenster, die nicht da sind.

2. Zach Wilson (Quarterback, BYU)

Ein Quarterback, der Spaß beim Zuschauen macht. Es sieht mühelos aus, wie Zach Wilson spielt. Seine Wurfmechanik ist nicht nur sehr sauber, sondern er wird den Ball auch noch sehr schnell los. Wilson hat den schnellsten Release der Draftklasse. Seine Augen und Füße bewegen sich synchron, wenn er durch seine Reads geht. Durch eine geschmeidige Fußarbeit hält er sich dauernd in Wurfposition. Seine Armstärke ist herausragend, auch wenn sich auf Tape bei tiefen vertikalen Routen einige Underthrows zeigten. Er kann den Ball auch mit Gefühl akkurat anbringen und ist fähig, aus dem Lauf oder per Sidearm den Ball zu werfen. Aus diesem Grund wird Wilson auch des öfteren mit Patrick Mahomes (Kansas City Chiefs) verglichen. Noch ist Wilson aber längst nicht auf dem Niveau des Superstars und es ist aufgrund der Einzigartigkeit von Mahomes fraglich, ob er das jemals sein wird.

Bei BYU hatte Zach Wilson eine gute Offensive Line und stand nur in 21 Prozent seiner Snaps unter Druck. Wilson ist auch ziemlich mobil und kann Yards als Läufer beisteuern. Manchmal will er zu sehr das Big-Play, stattdessen sollte er seinen offenen Passempfänger anspielen. Darüber hinaus lässt er offene Passfenster gelegentlich ungenutzt. Lawrence hat durch seine Erfahrung auf hohem College-Niveau eine hohe Baseline, in zwei, drei Jahren ist Wilson aber vielleicht der beste Quarterback seines Jahrgangs und einer der besten in der NFL.

3. Kyle Pitts (Tight End, Florida)

Kyle Pitts hat nicht nur die idealen Maße für einen Tight End, sondern ist zudem auch noch athletisch und fängt Bälle wie ein Wide Receiver. Er hat die längste Armspannweite aller Passempfänger in der NFL in den letzten 20 Jahren. Jedem anderen Tight End des Jahrgangs ist er in Sachen Explosivität und Schnelligkeit weit überlegen. Der erst 20-Jährige kann sich von Verteidigern lösen, Tackles brechen und auch mit Physis dominieren.

Oft war Pitts konfrontiert mit Matchups gegen gute Cornerbacks, wie zum Beispiel Jaycee Horn. Er variiert sein Timing in der Route und nutzt Körpertäuschungen. Grundsätzlich hat er eine gute Fangtechnik und ein tolles Ball-Tracking, auch wenn er den ein oder anderen zu tief geworfenen Ball seines Quarterbacks Kyle Trask nicht gefangen hat. Im Blocking hat Pitts noch reichlich Luft nach oben.

4. DeVonta Smith (Wide Receiver, Alabama)

Der Heisman-Trophy-Winner (Auszeichnung zum besten College-Spieler) der Saison 2020 hat eine beachtliche Karriere bei Alabama hinter sich. DeVonta Smith ist nicht der Größte, geschweige denn der Schwerste. Er bringt bei 1,85 Metern nur 77 Kilogramm auf die Waage. Da Wide Receiver in der NFL normalerweise schwerer sind, haben Scouts Bedenken hinsichtlich seiner Erfolgsaussichten in der besten Liga der Welt. Schaut man Smith allerdings beim Spielen zu, macht sich seine schmale Statur allerdings keinesfalls als Problem bemerkbar. Er ist ein sehr guter Contestested-Catch-Receiver, hat eine beeindruckende Sprungkraft und es sieht akrobatisch aus, wenn er in der Endzone einen Jump-Ball fängt.

Generell spielt DeVonta Smith viel physischer als sein Körperbau es vermuten würde. Er wird vergleichsweise selten aus der Route gedrängt. Aber nicht nur das: Er ist sehr agil, ziemlich schnell und verschafft sich konstant Separation zum Verteidiger. Bei Comeback- oder Curl-Routes zeigen sich seine enorm wendigen Hüften, die ihm hervorragende Balance und Körperkontrolle ermöglichen. Smith ist ein williger und gar nicht mal schlechter Run-Blocker. In Zone Coverage hat er ein gutes Raumgefühl. Gegen extrem physische Cornerbacks könnte Smith womöglich Probleme in der NFL bekommen. Sein ehemaliger Teamkollege Jaylen Waddle ist etwas schneller und explosiver als Smith, aber als Gesamtpaket ist Smith jedoch sehr weit und könnte trotz der physischen Zweifel ein Star werden.

5. Penei Sewell (Offensive Tackle, Oregon)

Penei Sewell ist eine imposante Erscheinung: Auf 1,98 Meter verteilen sich 150 Kilogramm. Dafür ist der erst 20-Jährige und aus US-Samoa stammende Offensive Tackle sehr beweglich. Seine größte Stärke ist das Run-Blocking. Insbesondere in einem Outside-Zone-Scheme sollte er gleich im ersten NFL-Jahr glänzen können. Er nimmt gute Winkel beim Blocken auf Second Level und ist reaktionsschnell. Seine Power ist ohnehin auf NFL-Level, regelmäßig wirft er Gegenspieler mit legalen Mitteln zu Boden.

Allerdings ist Penei Sewell noch längst kein fertiger Spieler. In Pass Protection muss er sich noch verbessern. Manchmal stoppt er seine Füße beim Quickslide. Insgesamt ist seine Technik noch inkonstant. Rashawn Slater ist vielleicht aktuell weiter in seiner Entwicklung, aber Sewell scheint mehr Upside zu haben.

6. Justin Fields (Quarterback, Ohio State)

Physisch und athletisch hat Justin Fields alle Anlagen, um ein moderner NFL-Quarterback zu sein. Er ist mobil, wenn seine Pocket kollabiert. Als Läufer ist er regelmäßig für viele Yards seines Teams verantwortlich, aber nicht auf dem Niveau von Kyler Murray (Arizona Cardinals) und natürlich auch nicht von Lamar Jackson (Baltimore Ravens). Fields hat einen starken Arm und kann Würfe mit Touch anbringen. Er trifft tiefe Out-Routen und ist in der Lage, enge Passfenster zu bedienen. Seine Pocket-Presence ist nicht schlecht, allerdings kassiert er noch zu viele Sacks und hat mitunter Probleme, Blitzer zu identifizieren.

Um ein verlässlicher Starter in der NFL zu werden, muss er zu besseren und schnelleren Entscheidungen finden. Wenn sein erster Read nicht offen ist, scrambelt er meist aus der Pocket oder er erzwingt einen schlechten Pass. Fields muss lernen, konstant durch seine Reads zu gehen. Außerdem überwirft er noch zu häufig seine Mitspieler.

7. Jaylen Waddle (Wide Receiver, Alabama)

Einer der schnellsten Receiver des Jahrgangs. In der Entwicklung scheint Jaylen Waddle weiter und kompletter zu sein als sein früherer Alabama-Teamkollege Henry Ruggs III, der seit einem Jahr für die Las Vegas Raiders spielt und ebenfalls als Deep Threat Furore macht. Richtungswechsel gelingen Waddle ohne spürbaren Geschwindigkeitsverlust. Waddle nutzt Stutter Steps und kann sein Tempo als Route-Runner anpassen. Er kann sein Tempo drosseln und blitzartig beschleunigen wie ein Sportwagen. Der 22-Jährige ist nicht nur explosiv und schnell, sondern auch agil und leichtfüßig, fängt sicher Pässe und ist manchmal sogar physisch am Catch Point.

Wegen einer Knöchelverletzung absolvierte Waddle 2020 nur vier Spiele, in diesen trumpfte er jedoch groß auf und verbuchte 591 Yards und vier Touchdowns. Er ist schwer zu tackeln und nach dem Catch überzeugt er mit guter Vision. Im Blocking ist DeVonta Smith engagierter und besser. Waddles Größe von 1,78 Meter ist unterdurchschnittlich für NFL-Verhältnisse, sollte aber kein großes Problem sein.

8. Jaelan Phillips (Edge-Rusher, Miami)

Fragezeichen begleiten Jaelan Phillips höchstens aufgrund seines Gesundheitszustands. Der Edge-Rusher hatte während seiner College-Laufbahn für UCLA bereits drei dokumentierte Gehirnerschütterungen. Die Teamärzte rieten ihm dazu, seine Karriere zu beenden. Nach knapp mehr als einem Jahr kam Phillips jedoch zurück und spielte noch eine Saison für Miami, bevor er sich zum Draft anmeldete. Sportlich verfügt er über eine seltene Mischung aus Antrittsschnelligkeit, Aggressivität, Technik, Power, Größe und Cleverness.

Trotz seiner 1,96 Meter ist Phillips sehr beweglich. Als Pass Rusher besticht er mit seiner Fähigkeit, eng an Offensive Tackles vorbeizukommen. Er kann sowohl mit Schnelligkeit als auch mit Power auf Quarterbackjagd gehen. Der 21-Jährige spielt mit Einsatz und gibt kein Play verloren. Sein Handeinsatz ist ausgefeilt. Im Verlauf eines Spiels legt er sich den gegnerischen Offensive Tackle zurecht, indem er seine Pass-Rush-Moves variiert und aufeinander aufbaut. Er kann im Pass Rush konstant inside als auch outside gewinnen. Wenn Phillips merkt, dass er nicht zum Quarterback kommt, reißt er seine Arme hoch, um Pässe abzuwehren. Er könnte auch als 3-technique eingesetzt werden. Den Lauf spielt er aggressiv und dadurch forciert er viele Tackles for Loss. Manchmal agiert er allerdings überagressiv in der Run-Defense.

9. Rashawn Slater (Offensive Tackle, Northwestern)

Genau wie Penei Sewell hat sich Rashawn Slater dazu entscheiden, nicht die College-Saison 2020 zu spielen – obwohl beide nicht verletzt waren. Hinsichtlich technischer Aspekte ist Slater bereits sehr ausgereift. Er weiß, wann und wie er seine Hände platzieren muss, um den Edge-Rusher aus dem Rhythmus zu bringen. Slater versteht, wie er seinen Körper am besten positioniert und hat eine gute Fußarbeit. Manchmal stoppt er allerdings seine Füße in Pass Protection, jedoch nicht in dem Ausmaß wie Sewell.

Sowohl gegen den letztjährigen Nummer-2-Pick Chase Young als auch Nummer-54-Pick AJ Epenesa hat Slater überzeugt. Selbst wenn er seine Balance verliert, kann er einen Anchor setzen. Der 22-Jährige wird über außen nur ganz selten geschlagen, gegen Inside-Counter-Moves ist er hin und wieder anfällig. Als Athlet kann er ebenfalls punkten, schnell kommt Slater auf Second Level im Run Game.

10. Ja’Marr Chase (Wide Receiver, LSU)

Im Hinblick auf Geschwindigkeit und Beschleunigung, ist ihm Waddle und vielleicht auch Smith vorraus. Ja’Mar Chase kreiert nicht sonderlich viel Separation, ist aber physich enorm stark. Er ist kompakt-muskulös gebaut und eine legitime Nummer-1-Option als Outside-Receiver, wenngleich er „nur“ 1,83 Meter misst. Chase kann auch im Slot aufgestellt werden. Er arbeitet geschickt mit seinen Armen beim Release in Press Coverage und bringt daduch Gegenspieler immer wieder aus dem Konzept.

Chase spielt clever, handlungschnell und positioniert sich gut als Zielspieler. Er hat wendige Hüften und behält stets die Balance. Seine Hand-Augen-Koordination und Fangfähigkeiten sind exzellent. Der ehemalige Teamkollege des heutigen Bengals-Quarterbacks Joe Burrow attackiert den Ball, wenn ein Pass in seine Richtung fliegt. Zu einem hohen Prozentsatz gewinnt Chase die vermeintlichen fifty-fifty-Bälle am Catch Point. Dazu hat er eine außerordentliche Sprungkraft. Teilweise verlässt er sich zu sehr auf seine Physis. Als Blocker könnte er Gegenspieler früher identifizieren und auch sein Einsatz als Unterstützer des Laufspiels ist verbesserungswürdig.

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