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Fußball: Die Blitzkarriere von David Raum – Wieso er gute Chancen auf ein WM-Ticket hat

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David Raum hat sich binnen kürzester Zeit nicht nur zu einem der besten Bundesligaspieler entwickelt, sondern vor wenigen Monaten auch sein Nationalmannschaftsdebüt gegeben. Der Linksverteidiger der TSG 1899 Hoffenheim hat gute Chancen, in den nächsten Jahren Stammspieler im DFB-Team zu werden. Auch in den kurzfristigen Planungen des Bundestrainers spielt Raum eine wichtige Rolle. So könnte sich der Aufsteiger der Saison auch ein WM-Ticket ergattern.

In den letzten eineinhalb Jahren zeigte die Entwicklung von David Raum steil nach oben. Es könnte dem 23-Jährigen fast so vorgekommen sein, als ob er auf dem Dartsboard mit drei Pfeilen ständig die Maximalpunktzahl von 180 Punkten erreicht.

Ob der Fußballprofi leidenschaftlich gerne Pfeile wirft, ist nicht bekannt. Aber zweifellos hat Raum in der letzten Zeit eine ähnliche Zielsicherheit an den Tag gelegt wie die besten Dartsspieler auf dem Planeten.

Raum war früher Offensivspieler

In seinen ersten Profijahren spielte Raum meist noch im linken und manchmal im rechten Mittelfeld. Als Offensivspieler bei seinem früheren Verein Greuther Fürth wollte ihm der Durchbruch allerdings nicht gelingen. In seltenen Fällen spielte er sogar im Sturm.

Allzu häufig war der Einsatz von Raum jedoch nicht gefragt: In der Saison 2018/2019 stand er in der 2. Bundesliga nur fünfmal in der Startaufstellung, in der Folgesaison berief ihn der Trainer elfmal in die erste Elf. Ein gestandener Profi war Raum in dieser Zeit noch nicht.

Leitl beordert Raum auf die Linksverteidigerposition

Irgendwann hatte Fürths Trainer Stefan Leitl die Idee, Raum als Linksverteidiger auszuprobieren. „Ich war davon überzeugt, dass er, wenn er weiter kommen will als zweite Liga, eine Position weiter nach hinten rücken muss“, sagte Leitl gegenüber nordbayern.de. „Er braucht diese Tiefe, in der er seine Dynamik ausspielen kann.“

Zwar dauerte es eine gewisse Zeit, bis Raum sich in der neuen Rolle zurechtfand und auch im regulären Spielbetrieb zunehmend auf dieser Position eingesetzt wurde. Als sich der gebürtige Nürnberger jedoch an die neue Position gewöhnt hatte, war dies der Beginn einer fruchtbaren Entwicklung, die bis heute anhält.

In der vergangenen Saison gelangen Raum 15 Torvorlagen

In der Saison 2020/2021 startete Raum in 32 von 34 Zweitligaspielen. Als offensivfreudiger Außenverteidiger schrieb er landesweite Schlagzeilen. Mit seinen 15 Torvorlagen stellte er alle anderen Defensivspieler der Liga in den Schatten. Gemeinsam mit Robert Zulj (damals VfL Bochum) war er der beste Vorlagengeber im Fußball-Unterhaus.

Raum profitierte von seinen Erfahrungen, die er als Offensivspieler gesammelt hatte, machte daneben aber auch rasche Fortschritte als Abwehrspieler. Ohne seine präzisen Flanken und Hereingaben wäre Fürth wohl eher nicht in die Bundesliga aufgestiegen.

Raum unterschreibt bei Hoffenheim

Während der vergangenen Spielzeit wurden mehrere Bundesligisten auf Raum aufmerksam. Sein Wechsel zur TSG Hoffenheim wurde schon im Januar 2021 vermeldet, als noch nicht klar war, dass Fürth aufsteigt. Beim Erstligisten unterschrieb er einen Vertrag bis 2025.

Aber die Sicherheit, in der nächsten Saison mit großer Wahrscheinlichkeit in der Bundesliga zu spielen, wirkte sich nicht negativ auf seine Leistungen aus. Je länger die Saison andauerte, desto steiler stieg der fiktive Aktienkurs von David Raum.

Raum wird U21-Europameister

Der Jubel über den Aufstieg war nur von kurzer Dauer. Bei der K.o.-Phase der U21-Europameisterschaft Anfang Juni präsentierte Raum seine Fähigkeiten erstmals einem größeren Fachpublikum.

Mit seinen zwei Vorlagen im Turnierverlauf hatte er einen nicht unwesentlichen Anteil, dass die nächsten Feierlichkeiten anstanden. Denn Deutschlands Nachwuchs holte nach 2009 und 2017 zum dritten Mal den Pokal.

Teilnahme an Olympia und Bundesligadebüt

Eineinhalb Monate später wurde Raum in den Olympia-Kader berufen. Bei den Spielen in Tokio musste er mit seinen Kollegen allerdings schon nach drei Gruppenspielen die Segel streichen. Sportlich gesehen war Raums Olympia-Abenteuer sein einzig relevanter Misserfolg des Jahres.

Über das frühe Ausscheiden bei Olympia konnte sich Raum nicht lange Gedanken machen, nur zwei Wochen später begann die Bundesliga. Obwohl der Linksfuß große Teile der Vorbereitung nicht mit seinem neuen Klub absolviert hatte, gewöhnte er sich rasch an das höhere Tempo im deutschen Fußball-Oberhaus.

Am 1. Spieltag beim 4:0-Sieg Hoffenheims in Augsburg stand Raum prompt in der Startelf. Seitdem sind 16 weitere Spiele hinzugekommen. Nur bei der 0:2-Niederlage gegen den VfL Bochum setzte Trainer Sebastian Hoeneß nicht von Beginn an auf Raum.

Hoeneß weiß die Tatsache zu schätzen, dass Raum sich für Hoffenheim entschieden hat. „Er ist mit einer Supereinstellung ein ganz feiner Kerl mit dem Herz am rechten Fleck“, sagte der Coach zuletzt.

Raum ist Schlüsselspieler bei Hoffenheim

Er ist nicht nur unumstrittener Stammspieler, sondern auch einer der Schlüsselspieler des derzeitigen Tabellendritten. Nach einem wechselhaften Saisonstart ist Hoffenheim in blendender Verfassung. Von den letzten sieben Bundesligapartien haben die Kraichgauer fünf gewonnen, zweimal teilte man sich mit dem Gegner die Punkte.

Raum hat einen großen Anteil daran, dass sich Hoffenheim in den vergangenen Monaten stabilisiert hat und jetzt sogar die Qualifikation für die Champions League angreifen kann. In seiner Laufbahn wäre dies der nächste Karriereschritt – einer, der noch vor wenigen Jahren unerreichbar schien.

Raum wird von Flick nominiert und drückt ihn zunächst weg

In einem Text über David Raum fällt es schwer, all die Highlights unterzubringen. Der bisherige Höhepunkt in Raums Karriere ist aber zweifellos seine Nominierung für die Nationalmannschaft.

Als Hansi Flick dem Profi im August telefonisch die frohe Kunde überbringen wollte, hatte Raum überhaupt keine Vorahnung, wer ihn denn mitten am Tag kontaktierte. Da er auf seinem Telefon eine unbekannte Nummer sah, dachte er sich, dass es sich um einen Lieferanten handelte.

Schließlich richtete er sich zu dieser Zeit nach seinem Umzug neu ein und erhielt andauernd derartige Anrufe. Raum drückte den Bundestrainer zweimal weg, ehe Flick in einer Whatsapp-Nachricht um Rückruf bat. In diesem Moment sei Raum fast das Handy aus der Hand gefallen, wie er heute zugibt.

Raum überflügelt sogar „Kaiser“ Franz Beckenbauer

Letztlich fanden die beiden telefonisch doch noch zusammen. Im Verlauf der Konversation erklärte Flick, dass er Raum für die Spiele gegen Liechtenstein, Armenien und Island nominieren wolle. Gegen Armenien kam Raum zu seinem ersten Einsatz als Einwechselspieler, während er in den beiden anderen Spielen nicht zum Zug kam.

Zwischen Raums Bundesligadebüt und seinem ersten Spiel in der A-Nationalmannschaft lagen gerade einmal 22 Tage. Damit überflügelte er sogar den „Kaiser“. Im Jahr 1965 benötigte Franz Beckenbauer nach seinem ersten Bundesligaspiel 43 Tage, bis er das Trikot mit Adler überstreifen durfte.

In den Spielen in Nordmazedonien (im Oktober) und im Rückspiel in Armenien (im November) bekam Raum jeweils über die volle Spielzeit das Vertrauen seines Chefs. Da er mit guten Leistungen zu gefallen wusste, kann er mit weiteren Nominierungen rechnen.

Raum und Günter liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen

Obwohl Raum erst drei Länderspiele bestritten hat, macht ihm einzig der fünf Jahre ältere Christian Günter (SC Freiburg) den Stammplatz in der Nationalelf streitig.

Philipp Max (PSV Eindhoven) und Marcel Halstenberg (RB Leipzig) sind aus unterschiedlichen Gründen derzeit hinter dem Duo Raum und Günter anzusiedeln.

Robin Gosens (Atalanta Bergamo) fällt seit Ende September wegen einer Oberschenkelverletzung aus. Findet Gosens nach seiner Pause wieder zur alten Form, könnte der Italien-Legionär allerdings entweder Raum oder Günter aus der Nationalmannschaft verdrängen. Im März könnte Gosens sein Comeback geben.

Raum hat gute Karten, bei der WM in Katar dabei zu sein

Noch ist nicht sicher, ob Flick zwei oder drei Linksverteidiger in sein Aufgebot für die Weltmeisterschaft Ende des Jahres in Katar beruft. Stand heute hat Raum jedoch alles andere als schlechte Karten, seinen nächsten Traum zu verwirklichen.

Nach etwas mehr als der Hälfte der Saison steht Raum bei sechs direkten Torvorlagen, in den letzten Wochen erzielte er sogar seine ersten beiden Bundesligatreffer. Günter bereitete ebenfalls sechs Tore vor, hat sich aber noch nicht in die Torschützenliste eintragen können.

Sowohl Freiburgs Trainer Christian Streich als auch Hoffenheims Sebastian Hoeneß setzen des Öfteren auf eine Dreier- beziehungsweise Fünferkette, in welchen Günter und Raum als Bindeglieder zwischen Angriff und Abwehr noch offensiver agieren als viele andere Außenverteidiger.

Bei Sprints und Laufleistung macht Raum niemand etwas vor

In einer Statistik führt der Nationalspieler sogar die Liga an: Mit 527 Sprints verweist er Leverkusens Jeremie Frimpong (520) und Münchens Alphonso Davies (515) auf die Plätze zwei und drei.

Trotz der vielen Spiele im Sommer 2021 und der neuen zusätzlichen Belastung mit der Nationalmannschaft ist Raum einer der lauffreudigsten Bundesligaspieler.

Bisher hat der 23-Jährige in Summe 187,4 Kilometer Raum überbrückt, Platz eins im Team und Rang 13 unter allen Profis. Im Spiel gegen Augsburg (3:1) am Samstag betrug seine Laufleistung 12,5 Kilometer.

Raum: „Ich haue alles raus“

Raum lebt für den Fußball und ist alles andere als ein Schönwetterkicker. „Da bin ich nicht der Typ für, hier und da mal Kraft wegzulassen, ich haue alles raus. Bei mir gibt es kein Halbgas“, sagte er im Gespräch bei SWR Sport.

Und er gilt als zielorientiert. „Ich schwebe momentan auf so einer Erfolgs- und Euphoriewelle. Ich will weiter an mir arbeiten und Gas geben und nicht nachzulassen. Dann wird man sehen, was noch weiter drin ist“, meinte der 1,80 Meter große Profi.

Wenn 2022 für David Raum nur annähernd so positiv verläuft wie 2021, kann er schon jetzt die Sektkorken knallen lassen. Das wird er freilich nicht tun; der bodenständige Franke wird bis zum Jahresende bestimmt nicht dem Fuß vom Gaspedal nehmen.

Und vielleicht geht sein Aufstieg weiter kometenhaft nach oben. Einen Raumfahrer, der so schnell an Höhe gewinnt wie er, hat die Bundesliga jedenfalls noch nicht gesehen.

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