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Fußball: Dickson Abiama – Vom Kreisklasse-Knipser zum Fußballprofi – „Mein Erfolg war nicht geplant“

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Vor viereinhalb Jahren kickte Dickson Abiama noch für die SpVgg Mögeldorf 2000 in der Kreisklasse, heute spielt der 23-Jährige immer noch für die SpVgg – allerdings die, die Greuther Fürth im Namen hat. Ein fränkischer Zweitligist, der vor kurzem aus der 1. Bundesliga abgestiegen ist. Über Abiamas unerwartete Profikarriere.

Im Jahr 2016 emigrierte der gebürtige Nigerianer Dickson Abiama im Alter von 17 Jahren nach Deutschland. Zuvor hatte er nur auf Bolzplätzen gekickt und in der Fußballakademie, die seinen Onkeln gehören. Allerdings täuscht das Wort Akademie über die mäßigen Trainingsbedingungen hinweg, mit denen sich die Spieler dort begnügen müssen. Auf Google hat die Abarowei Football Academy nur eine Bewertung: 2 Sterne.

„Es war schwierig, ich hatte keine Freunde und war oft alleine“, sagt Dickson Abiama im Interview über seine Anfangszeit in Deutschland. Während er unweit seines neuen Elternhauses auf einem Bolzplatz vor sich hin spielte, wurde er eines Tages von zwei Jungs angesprochen. Sie gaben ihm den Hinweis, dass es in der Nähe einen Klub namens Mögeldorf gebe und er ihn sich mal anschauen könne.

Abiama gab dem Ganzen eine Chance. „Mit der Zeit habe ich mich besser zurechtgefunden und konnte mein Deutsch verbessern. In Mögeldorf habe ich über den Fußball viele Freunde gefunden“, erzählt er.

Abiama überspringt Liga um Liga

In seiner ersten Saison für die U19 schoss er 29 Tore. 2017 bestritt Abiama bereits seine ersten Einsätze für das Herrenteam in Mögeldorf, einem rund 5.000 Einwohner zählenden Stadtteil von Nürnberg. Dank Abiamas 27 Toren schaffte Mögeldorf den Aufstieg aus der Kreisklasse (9. Liga in Bayern) in die Kreisliga.

In der Folgezeit übersprang er gleich mehrere Ligen. 2018 wechselte er zur SG Quelle Fürth in die Landesliga, ein Jahr später in die Bayernliga zum SC Eltersdorf. Bis er wieder zum Aufstiegshelden werden sollte, dauerte es zwei weitere Jahre. Aber alles der Reihe nach.

Bei einem Testspiel der Eltersdorfer gegen die SpVgg Greuther Fürth schoss Abiama ein Tor – und sich damit auf das Radar des traditionsreichen Profiklubs. Im Winter 2019/2020 unterschrieb er bereits einen Vertrag bei den Fürthern. Bis Sommer 2020 hätte er noch in der fünften Liga auflaufen sollen, durch den coronabedingten Abbruch der Amateurfußballsaison bestritt er jedoch kein Spiel mehr für Eltersdorf.

Im Profibereich blüht Abiama als Joker auf

Schon am ersten Spieltag der Saison 2020/2021 kam er zu seinem ersten Einsatz als Profi, gegen den VfL Osnabrück wurde er eingewechselt. „Ich hatte zuvor gar nicht gewusst, dass ich spielen werde“, gesteht er heute.

Die Rolle des Jokers begleitete ihn im Laufe der Spielzeit. Im Derby gegen den 1. FC Nürnberg erzielte er den Ausgleich in letzter Minute. Mit sechs Toren (insgesamt sieben) avancierte er zum besten Joker der Liga.

Abiama wird Aufstiegsheld und Fanliebling

Das wohl wichtigste Tor hob er sich für den letzten Spieltag gegen Fortuna Düsseldorf auf. Durch seinen Treffer zum 3:2-Endstand konnte der Bundesligaaufstieg des Kleeblatts nicht mehr in Gefahr gebracht werden. Fürther Fanliebling ist er spätestens seit diesem 23. Mai 2021. Seine Geschichte inspiriert, sie lädt zum Träumen ein.

Auf die Frage, was Abiama schreiben würde, sofern er seine Geschichte schriftlich dokumentieren würde, antwortete er: „Ich würde den Lesern mit auf den Weg geben, dass sie alles schaffen können, was sie wollen, wenn sie an sich selbst glauben.“

Dabei hatte Abiama sein Training nie darauf abgestimmt, im Fußball schnell durchzustarten. „Ich spiele Fußball einfach aus Leidenschaft, mein Erfolg war nicht geplant“, sagt der Angreifer. Das deckt sich mit seinem Lebensmotto: „Hart arbeiten, an sich glauben und der Rest kommt von selbst.“

Abiamas Erfolgswelle kommt zum Erliegen

Auch in der Bundesliga kam er meist als Einwechselspieler zum Zug. Das Niveau war für ihn und die gesamte Mannschaft allerdings eine Stufe zu hoch. Am Ende der Saison standen für ihn nur ein Scorerpunkt (kein Tor, eine Vorlage) und der direkte Abstieg zu Buche.

„Trotz vieler Niederlagen sind wir besser geworden, das würde ich schon sagen. Wir sind gewachsen“, meint der schnelle und dribblingstarke Abiama, dessen Vorbilder Cristiano Ronaldo und David Beckham sind.

Der schwache Saisonstart mit neun Spielen ohne Sieg, unter anderem dem Pokal-Aus beim Fünftligisten Stuttgarter Kickers, zeigt von diesem Wachstumsprozess allerdings noch wenig. Darum weiß Abiama: „Wir müssen weiter Gas geben. Wir müssen uns mehr auf die Zweikämpfe konzentrieren und besser im Spiel gegen den Ball werden.“

Abiama befand sich viele Jahre auf einer Erfolgswelle, jetzt gilt es auf die nächste zu warten, auf ihr zu surfen und oben zu bleiben. Wie er in den letzten zwölf Monaten erfahren hat, ist das alles andere als einfach.

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