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NBA | Steph Curry: Selbstlos, selbstbewusst – und unterschätzt?

Cyrus Saatsaz (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stephen_Curry_Shooting_(cropped)_(cropped).jpg), „Stephen Curry Shooting (cropped) (cropped)“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode

Vor wenigen Wochen hat Steph Curry mit den Golden State Warriors seinen vierten NBA-Titel gewonnen. Durch seine Leistungen in den Finals ist er in die Riege der besten Spieler aller Zeiten vorgestoßen. Obwohl er den Basketball mit seiner Spielweise maßgeblich verändert hat, wird er von manchen Zuschauern noch immer unterschätzt.

Misstrauische Fragen begleiten Stephen „Steph“ Curry seit seiner Jugend: Kann er kräftigeren Gegenspielern Paroli bieten? Ist seine Größe kein Handicap? Kann er mit seiner Spielweise wirklich als dominanter Spieler gelten?

Inzwischen spielt Curry nicht mehr mit gleichaltrigen Kindern und Heranwachsenden, sondern in der besten Basketballliga der Welt. Trotzdem sind die Zweifel an den sportlichen Möglichkeiten des heute 34-Jährigen nie komplett verstummt. Bewusst ist hier von Möglichkeiten die Rede, seine Fähigkeiten standen (fast) nie zur Debatte.

Steph Curry war klein und dünn

Vielmehr wurde seine Eignung als Basketballer auf den Prüfstand gestellt, vor allem zu Beginn seiner Laufbahn. Mit 15 Jahren war Curry keine 1,70 Meter groß und schmächtig, sein Trikot flatterte wie ein Nachthemd von ihm herab und in seiner Altersklasse gab es viele athletischere Spieler als ihn.

Aber er hatte den Vorteil, dass sein Vater Dell Curry selbst in der NBA spielte (von 1986 bis 2002) und Steph sich von ihm und seinen Kollegen viel abschauen konnte.

Curry wurde im selben Krankenhaus wie LeBron James geboren

Steph kam übrigens in Akron (Ohio) im selben Krankenhaus wie LeBron James zur Welt; Dell spielte damals für die Cleveland Cavaliers. Steph wuchs allerdings in Charlotte auf, denn ein Jahr nach der Geburt wechselte sein Vater zu den Hornets.

Bereits im Kindesalter arbeitete Steph mit seinem Vater an seinen Dribbling- und Passfähigkeiten und beispielsweise auch daran, seinen Abwurfpunkt zu verbessern, um nicht ständig von größeren Spielern geblockt zu werden.

Wegen seiner Größennachteile musste er lernen, auf kreative Weise zu Punkten zu kommen. Trotzdem konnte der Spätentwickler schon damals mit einer Genauigkeit werfen, die eigentlich im Widerspruch zu seinem dünnen Bizeps stand.

The Players‘ Tribune ist eine Internetplattform, auf der Profisportler ihre Geschichte schriftlich dokumentieren können, ohne dass ihnen vorab Fragen gestellt werden. Curry schrieb vor dreieinhalb Jahren einen Text mit dem Titel „Underrated“, was mit dem deutschen Wort „Unterschätzt“ übersetzt werden kann.

„Mein Scouting-Profil für den Rest der Highschool lautete in etwa so: klein, dünn, kann werfen“, schilderte Curry darin.

Im Alter von 13 Jahren bekam er einen wertvollen Tipp von seiner Mutter

Außerdem verriet er einen wichtigen Tipp, den ihm seine Mutter Sonya gab, als er im Alter von 13 Jahren ein schlechtes Spiel hatte. „Ich will dir etwas sagen“, begann seine Mutter, „niemand außer dir darf deine Geschichte schreiben. Nicht irgendwelche Scouts. Nicht irgendein Turnier. Nicht diese anderen Kinder, die vielleicht dieses oder jenes besser können. Und nicht einmal dein Nachname“, wiederholte Curry die Worte seiner Mutter.

„Keiner dieser Menschen und keines dieser Dinge darf der Autor deiner Geschichte sein. Nur du. Also denk gründlich darüber nach, nimm dir Zeit und dann schreibst du, was du schreiben willst. Aber sei dir bewusst, dass diese Geschichte deine ist.“

Dies sei der beste Rat gewesen, den er je bekommen habe, erinnert sich der heute 1,91 Meter große Curry. „Immer, wenn ich brüskiert, unterschätzt oder überhaupt nicht respektiert wurde, habe ich mich einfach an diese Worte erinnert und habe weitergemacht“, schrieb er.

Er hat weitergemacht, als er beispielsweise von den renommiertesten Colleges übergangen wurde, obwohl sein Talent unübersehbar war. Er hat weitergemacht, als er sich in seinen ersten NBA-Jahren mehrere Knöchelverletzungen zuzog. Er hat weitergemacht, als er mit seiner Mannschaft in den NBA-Finals 2016 eine 3:1-Führung und damit den fast sicher geglaubten Titel verspielte.

Cyrus Saatsaz (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stephen_Curry_Shooting_(cropped)_(cropped).jpg), „Stephen Curry Shooting (cropped) (cropped)“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode
Cyrus Saatsaz (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stephen_Curry_Shooting_(cropped)_(cropped).jpg), „Stephen Curry Shooting (cropped) (cropped)“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode

Curry glänzt in den NBA-Finals 2022

Mitte Juni gewann Curry nach 2015, 2017 und 2018 seinen vierten NBA-Titel. In den Finals triumphierten seine Golden State Warriors in der best-of-seven-Serie gegen die Boston Celtics mit 4:2. Curry kam im Schnitt auf 31,2 Punkte pro Spiel, 5 Assists, 6 Rebounds und eine starke Dreierquote von 43,7 Prozent, womit er einstimmig zum wertvollsten Spieler der Finalserie gewählt wurde.

Manche Kritiker hatten bis zuletzt auf den Fakt verwiesen, dass Curry noch keinen Finals-MVP-Titel gewonnen hatte und daher gegenüber anderen Superstars seiner Generation wie Kevin Durant, LeBron James oder Giannis Antetokounmpo im Hintertreffen wäre. Diesbezügliche Diskussionen hat Curry mit eindrucksvollen Leistungen gegen Boston für immer aus der Welt geschafft.

Verletzungen hatten die Warriors zurückgeworfen

Als amtierender Meister werden Curry und Co. in der kommenden Saison wohl kaum unterschätzt werden, doch in der Vergangenheit war es stets so, dass die leisesten Anzeichen von Schwäche gegen die Golden State Warriors verwendet wurden.

Man kann nicht behaupten, dass sie vor Start der Saison 2021/2022 einen „benefit of the doubt“, einen Vertrauensvorschoss, gehabt haben – obwohl sie zwischen 2015 und 2019 in jedem Jahr in den Finals standen.

Das lag vor allem an Verletzungen. Klay Thompson, jahrelang der zweitbeste Spieler der Warriors, arbeitete nach einem Kreuzband- und Achillessehnenriss zweieinhalb Jahre an seinem Comeback und spielte erst im Januar 2022 wieder Basketball auf professionellem Niveau.

Wegen einer gebrochenen Hand verpasste Curry 2019/2020 mit Ausnahme der ersten fünf Spiele die komplette Saison. Zu allem Überfluss hatte wenige Monate zuvor Kevin Durant, einer der besten Spieler der Welt, nach drei Jahren an der Bay Area seinen Abschied in Richtung Brooklyn verkündet.

Vom Tief- zum Höhepunkt innerhalb von zwei Jahren

Das mit Stars gespickte Team zerfiel innerhalb kürzester Zeit, Rotationsspieler wie Damion Lee oder Eric Paschall hatten plötzlich prominente Rollen inne, die personellen Ausfälle überforderten das Team. Die Gruppe war nicht konkurrenzfähig und sehnte sich nach einem gewissen Anführer, der Würze in das Spiel hätte bringen können.

Die Warriors, die in jener Saison die Oracle Arena in Oakland verließen und auf die andere Seite der Bay Bridge in das Chase Center in San Francisco umzogen, waren am Tiefpunkt angelangt. Sie beendeten die Saison mit 15 Siegen und 50 Niederlagen als schlechteste Mannschaft der NBA.

Mit einem wieder genesenen Curry schnupperten die Warriors im Jahr darauf an den Playoffs. In der regulären Spielzeit gewann das Team von Trainer Steve Kerr 39 von 72 Partien, jeweils eine Niederlage gegen die Los Angeles Lakers und die Memphis Grizzlies im Play-In-Tournament verhinderte jedoch einen Einzug in die Postseason.

Vor der Saison 2021/2022 zählten die Warriors nur zum erweiterten Favoritenkreis auf die Meisterschaft. Allerdings wurde früh in der Saison klar, dass die meisten Fans und unabhängigen Beobachter Golden State unterschätzt hatten. Zu Saisonbeginn stellten die Warriors mit 18 Siegen aus den ersten 20 Spielen das beste Team, obwohl Klay Thompson zu diesem Zeitpunkt noch kein Spiel bestritten hatte.

Klay Thompson kehrt zurück

Nachdem der 32-Jährige nach langer Leidenszeit wieder auf das Parkett zurückkehrte, konnten die Warriors zunächst nicht an die Leistungen der ersten Saisonhälfte anknüpfen. Selbstverständlich brauchte Thompson ein paar Monate, um seinen Rhythmus zu finden. Seine Mitspieler wiederum mussten sich an ihn und seinen Spielstil gewöhnen, nachdem das Spielen ohne ihn zur Normalität geworden war.

Curry traf im Januar nur 32,9 Prozent seiner Dreipunktewürfe, die Saison schloss der Point Guard mit einer für seine Verhältnisse dürftigen Quote von 38 Prozent ab. Damit lag er zwar über Ligaschnitt, aber nicht annäherend im Bereich seiner gewohnten Treffsicherheit. Über seine 13 Jahre andauernde NBA-Karriere kommt er auf beeindruckende 42,8 Prozent.

Die Warriors geben in den Playoffs den Ton an

Mit 53 Siegen und 29 Niederlagen qualifizierte sich Golden State dennoch als Dritter für die Playoffs. In der ersten Runde zwangen die Warriors die Denver Nuggets mit 4:1 in die Knie. Beim 4:2 gegen die Memphis Grizzlies hatte das Team schon mehr Schwierigkeiten. In den Conference Finals gegen die Dallas Mavericks (4:1) ließ Golden State kaum etwas anbrennen. Das Ergebnis der Finals ist bekannt.

Im Aufeinandertreffen mit Marcus Smart, dem besten Verteidiger der Saison, war Curry nicht zu stoppen. Auch die anderen Spieler der Boston Celtics konnten den Aufbauspieler nur eindämmen – aber nicht bändigen. Dabei stellte Boston die beste Defensive der Saison.

NBA Finals 2022PaarungErgebnis
Spiel 1Golden State Warriors – Boston Celtics108 : 120
Spiel 2Golden State Warriors – Boston Celtics107 : 88
Spiel 3Boston Celtics – Golden State Warriors116 : 100
Spiel 4Boston Celtics – Golden State Warriors97 : 107
Spiel 5Golden State Warriors – Boston Celtics104 : 94
Spiel 6Boston Celtics – Golden State Warriors90 : 103

Nur im fünften Spiel, als Curry keinen seiner neun Dreierversuche im Korb unterbrachte, zeigte er seine „menschliche“ Seite. Doch die zahlreichen Fehlwürfe spornten ihn an, die Würfe wieder und wieder zu nehmen.

Für Boston ein schlechtes Zeichen: Die Warriors gewannen auch dieses Spiel und als Curry in der nächsten Partie wieder Normalform erreichte und 34 Punkte auflegte, hatte Boston nichts mehr entgegenzusetzen. Nachdem die Celtics zwei der ersten drei Spiele für sich entschieden hatten, gingen die letzten drei Spiele alle an die Warriors.

Die Meisterschaft 2022 erscheint in einem anderen Licht

Für die Warriors war diese Meisterschaft nicht nur aufgrund der Verletzungshistorie, sondern auch aufgrund der Altersstruktur des Kaders von besonderem Gewicht.

Die Schlüsselspieler Curry (34 Jahre), Thompson (32) und Draymond Green (32) spielen seit einem Jahrzehnt zusammen und kennen die spielerischen und charakterlichen Neigungen des jeweils anderen in- und auswendig. Seit er im NBA Draft 2009 an Position sieben ausgewählt wurde, lief Curry nie für ein anderes NBA-Team auf.

Neben den Routiniers verfügt der Kader allerdings auch über jede Menge junge Talente, die 2022 ihre erste Meisterschaft bejubeln durften. Spieler wie Andrew Wiggins (27), Jordan Poole (23) oder Jonathan Kuminga (19) füllten keinesfalls nur Statistenrollen aus. Kuminga ist übrigens halb so alt wie Andre Igudoala (38), der kaum mehr als Spieler, aber als Mentor von der Ersatzbank aus Impulse setzte.

Das Meisterteam von 2015 war wahrscheinlich talentierter als das jetzige, die Teams von 2017 und 2018 sowieso. Damals gingen die Warriors als eines der besten Basketballteams aller Zeiten in die Geschichte ein. Da sich Durant im Jahr 2016 einem ohnehin hervorragenden Team anschloss, wurden die beiden Triumphe zumindest aus Sicht vieler Fans ein Stück weit entwertet.

Curry brilliert sowohl als Anführer als auch als Nummer zwei

Doch in der Praxis ist es oft gar nicht so einfach, die Egos von Superstars miteinander in Einklang zu bringen. Als Durant zu den Warriors stieß, war Curry allerdings nicht auf den Wettstreit um die Stellung des Alphamännchens aus. Er gab dem Team weiter die Qualitäten, die es von ihm benötigte.

Wo am Ende von knappen Spielen der Ball zuvor in die Hände von Curry wanderte, übernahm nun der 2,11 Meter große Durant die Rolle des Entscheiders. Seit dem Abgang von Durant ist Curry wieder die Nummer eins im Angriff der Warriors.

Was nicht jeder Star von sich behaupten kann: Sowohl als erste als auch als zweite Option hat Curry seinen immensen Wert für eine Mannschaft nachgewiesen. Wie 2015 haben die Warriors nun erneut gezeigt, dass sie sich auch ohne Durant zum Champion krönen können. Trainer Steve Kerr bezeichnete den Titel 2022 als „den unwahrscheinlichsten“.

„Baby-faced Assassin“

Bei seinen Mitspielern ist Curry aufgrund seiner Selbstlosigkeit enorm beliebt – auch wenn er den ein oder anderen schwierigen Wurf nimmt, denn sie wissen, dass er sie treffen kann. Hinter seinem Lächeln verbirgt sich jedoch auch ein konzentrierter, kühner Charakter, dem es Freude bereitet, dem Erfolg alles unterzuordnen.

Wie er an der Freiwurflinie lässig auf seinem Mundschutz kauend Treffer an Treffer reiht, hat fast etwas Humoristisches. Entspannt, aber schonungslos, demaskiert er die Schwächen gegnerischer Verteidigungen. Curry, der deutlich jünger als 34 Jahre aussieht, wird durch seinen Spitznamen „Baby-faced Assassin“ ziemlich treffend beschrieben.

Doch selbst Curry, für den Gefühle des Erfolgs keine Neuigkeit sind, wurde kurz nach dem sechsten Finalspiel gegen Boston noch auf dem Parkett von seinen Gefühlen übermannt und brach in Freudentränen aus.

Curry erinnert sich an die Zweifler zwölf Monate zuvor

Nach den Feierlichkeiten wandte sich Curry auf der Pressekonferenz an die Fernsehexperten Kendrick Perkins und Domonique Foxworth, die im August 2021 bei ESPN beide mit ihren Händen eine Null geformt hatten, als sie danach gefragt wurden, wie viele Meisterschaften die Warriors in den nächsten vier Jahren gewinnen würden. Curry vernahm diese Stimmen und nutzte sie offenbar als Motivation.

„Zu Saisonbeginn hätte niemand gedacht, dass wir hier stehen würden – außer uns selbst. Es ist unwirklich“, sagte Curry.

Während Curry die Ereignisse der letzten zwölf Monate rekapitulierte, nutzten seine Mitstreiter die Gelegenheit, um Curry zu würdigen. Andre Iguodala schwärmte: „Steph hat seinen Ruf als bester Point Guard aller Zeiten gefestigt. Man hat noch nie einen Spieler seiner Größe gesehen, der die Liga so dominiert.“

Steve Kerr vergleicht Curry mit Tim Duncan

Sein Trainer Steve Kerr, der nach fünf NBA-Titeln als Spieler auch als Trainer munter an seinem Vermächtnis arbeitet, verglich Curry mit der ehemaligen NBA-Legende Tim Duncan. Um die Jahrtausendwende gewannen der Dreierspezialist Kerr und der 2,11 Meter große Duncan zwei Meisterschaften für die San Antonio Spurs.

Curry erinnere ihn von seiner Menschlichkeit und seinem Talent her an Duncan. „Offensichtlich sind beide komplett unterschiedliche Spielertypen“, aber er erkenne von einem menschlichen und mentalen Standpunkt aus Ähnlichkeiten zwischen Curry und Duncan.

„Bescheidenheit, Selbstvertrauen, das ist eine wunderbare Kombination, die jeden dazu bringt, für ihn gewinnen zu wollen. Ohne ihn passiert all das hier nicht“, sagte Kerr und ergänzte: „Ich freue mich für alle, aber ich bin begeistert von Steph. Meiner Meinung nach ist das die Krönung einer bereits unglaublichen Karriere.“

Curry ist einer der zehn oder 15 besten Basketballer aller Zeiten

Curry hat sich mindestens mal in die Top-15 und vielleicht sogar in die Top-10 der besten Basketballer aller Zeiten katapultiert. Nur sechs Spieler haben mindestens vier NBA-Titel, mindestens zwei MVP-Auszeichnungen und mindestens eine Finals-MVP-Wüdigung gewonnen: Michael Jordan, Magic Johnson, Kareem Abdul Jabbar, Tim Duncan, LeBron James und Steph Curry.

Curry hat den den Sport verändert und weiterentwickelt

Aber auch abseits von All-Time-Rankings ist Curry eine prägende Figur: Der MVP von 2015 und 2016 hat mit seinem Wurf den Basketballsport verändert. Ihm ist es im Wesentlichen zu verdanken, dass einzelne Spieler mittlerweile zehn- oder zwölfmal pro Spiel von hinter der Dreierlinie abdrücken und das teilweise aus neun Metern oder noch größerer Entfernung tun.

Das Spiel, das in den 1990er Jahren noch bevorzugt unter den Körben stattfand, hat Curry immer weiter nach außen verlagert. Während seines sehr akribischen Aufwärmprogramms vor NBA-Spielen trifft Curry bisweilen sogar von der Tribüne.

Aber auch wenn sich andere NBA-Profis ein Beispiel an Curry nehmen, bleibt er ein einmaliges Unikat. Currys schlechte Würfe sind besser als die guten Würfe vieler anderer Spieler. Mit seinen Dreipunktorgien kann er gegnerische Mannschaften demoralisieren und die eigene dazu bringen, über sich hinauszuwachsen.

Curry gilt als bester Distanzschütze aller Zeiten

Schon längst gilt Curry als bester Werfer aller Zeiten – selbst bei seinen Kritikern. Im Dezember 2021 übertraf er Ray Allen als Spieler mit den meisten verwandelten Dreiern in der NBA-Geschichte, 3117 Mal netzte er in regulären Saisonspielen von hinter der Dreierlinie ein.

Er paart eine große Anzahl an Wurfversuchen mit eindrucksvoller Effizienz und bekommt seinen Distanzwurf dermaßen schnell los, dass er quasi nie geblockt wird. Auf dem Feld ist er ständig in Bewegung – gerade, wenn er einmal nicht den Ball hat.

Curry schaltet nie in den Standby-Modus

Wenn er seine Kollegen in Szene setzt, schaltet er nicht in den Standy-Modus, sondern hält seine Augen nach freiem Raum offen, sprintet dorthin und gibt sich anspielbereit. Erschöpfungserscheinungen zeigt er trotzdem nicht, in der Regel kann er seine Effizienz über ein komplettes Spiel aufrechterhalten.

Selbst wenn er mal kein Zielwasser getrunken hat wie im fünften Finalspiel, wird er eng verteidigt. Seine Mitspieler profitieren davon, dass Gegenspieler dem Superstar so viel Aufmerksamkeit schenken.

Bei allem Lob über seine Fähigkeit, sich jederzeit den eigenen Wurf zu kreieren und traumwandlerisch einzunetzen, bleiben die restlichen Aspekte seines Spiels häufig unerwähnt. Aber auch diese haben es in sich: Sein Zug zum Korb ist äußerst schwer zu verteidigen, wenngleich er nicht die Athletik für Posterdunkings mitbringt.

Er ist ein spektakulärer Dribbler, der außerdem weniger anfällig für Ballverluste ist wie noch früher. Auch seine Defense hat sich stetig verbessert. Physisch ist Curry immer noch keine Ausnahmeerscheinung, aber er wird nicht mehr so leicht weggeschoben wie früher.

Curry dominiert das Spiel nicht körperlich

Steve Nash sagte im Jahr 2018 bei ESPN: Die Leute assoziieren ihn nicht mit Großartigkeit, weil er das Spiel körperlich nicht dominiert.“ Im Gegensatz zu Kraftpaketen wie LeBron James oder Giannis Antetokounmpo tankt er sich nicht durch gegnerische Abwehrreihen. Aber trotz seiner physischen Limitationen findet er Wege, das Spiel zu beeinflussen.

In einem Artikel aus dem gleichen Jahr war bei ESPN folgendes zu lesen: „Er genießt nicht den Respekt, den ein Mann seines Formats erwarten sollte.“ Zu diesem Zeitpunkt war Curry bereits dreimaliger Champion. Aber vielleicht ändert sich das Narrativ ja mit seinem vierten Titel. Mal sehen, wie viele Titel die Golden State Warriors mit Curry in den nächsten drei Jahren gewinnen werden.

Kobe Bryant über Stephen Curry

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